Homöopathie wirkt – und die Erde ist eine Scheibe

 

Sie haben gute Erfahrungen mit Homöopathie gemacht? Dann sind Sie bestimmt schon einmal in einem Konflikt gewesen mit jemandem, der die Homöopathie für unwirksam hält. Vielleicht sagten Sie dann so etwas wie: „Wir wissen eben noch nicht alles! Früher dachte man ja auch, die Welt wäre ein Scheibe!“.

 

Sicher, es gibt bestimmt eine Menge Dinge, von denen wir heute noch nichts wissen. Nur ist es leider nicht einleuchtend, warum der Hinweis, dass es eine Menge Dinge gibt, von denen noch keiner von uns etwas weiß, ein Argument dafür sein soll, dass etwas richtig sein soll, was sich bei bestem Bemühen darum seit 200 Jahren einfach nicht nachweisen lässt. Mehr noch: Etwas, das im Laufe dieser 200 Jahre durch unser fortschreitendes Wissen über die Natur immer unplausibler wurde, weil es nicht mehr zu dem passt, was wir in dieser Zeit über die Natur gelernt haben und das sich im Alltag bestens bewährt.

 

Wenn wir alle heute nicht wissen, was die Menschheit in 100 Jahren wissen wird, dann wissen es die heutigen Homöopathen doch auch nicht. Hier wird ja in gewisser Weise behauptet, dass die Homöopathen wüssten, in welche Richtung sich das naturwissenschaftliche Wissen in Zukunft erweitern wird. Also in etwa „Heute kann das noch keiner wissen – aber wir wissen auf alle Fälle schon mal mehr als die Wissenschaftler“. In diesem Bild wird Wissenschaft als etwas dargestellt, was sie nicht ist: Etwas, das der Erkenntnis hinterherhinkt.

 

Tatsache ist aber: Was unbelegt ist, ist keine Erkenntnis sondern blanke Spekulation. Wissenschaft passiert per definitionem immer an dieser Grenze zwischen Wissen und Spekulation, denn sie schafft ja Wissen. Das bedeutet also erst einmal: Allein mit der Tatsache, dass wir Wissenschaft betreiben, räumen wir ein, dass wir noch nicht alles wissen – denn andernfalls könnten wir gar kein neues Wissen mehr schaffen.

 

Intuition ist nicht Wissen

 

Ja, im Altertum ging man intuitiv davon aus, dass die Erde flach ist. Eine sehr große Kugel und eine flache Scheibe schauen lokal erst einmal gleich aus. Man sieht nicht sofort, dass die Erde eine Kugel ist. Es gab aber nie Beobachtungen, die gegen die Kugel gesprochen hätten. Bereits in der Antike wiesen griechische Wissenschaftler aber auf einzelne Daten hin, die für die Kugelgestalt sprachen. Und Eratosthenes berechnete im dritten Jahrhundert vor Christus als erster die korrekte Größenordnung des Erdumfangs.

 

So konnte die Frage nach der Gestalt der Erde also schon früh durch wissenschaftliche Beobachtungsdaten eindeutig geklärt werden. Zudem gingen weder dieser – noch einer anderen gesicherten naturwissenschaftlichen Erkenntnis – Beobachtungsdaten voraus, die dieser Erkenntnis explizit widersprachen. Und genau deshalb passt dieser Vergleich nicht, um das Aufrechterhalten wüster Spekulationen zu rechtfertigen, gegen die heute sehr wohl naturwissenschaftliche Erkenntnisse sprechen.

 

Irren sich Physik und Chemie? Oder irrt sich die Homöopathie?

 

Das Prinzip der Potenzierung steht heute im Widerspruch zu dem, was sich in der Physik bewährt. Physik und Chemie sagen übereinstimmend, dass es völlig egal ist, ob wir in einem Schritt verdünnen oder in vielen Einzelschritten. Physik und Chemie sagen, dass beim Verdünnen etwas verloren geht, auch dann, wenn wir dabei schütteln. Physik und Chemie sagen beide, dass gleichartige Atome ununterscheidbar, also gedächtnislos sind. Liegt die Homöopathie hier richtig, beschreiben Physik und Chemie vollkommen alltägliche Dinge falsch oder zumindest grob unvollständig. Und zwar, ohne dass wir davon etwas bemerken. Auf diesen Aussagen beruhen zahlreiche technische Anwendungen unseres naturwissenschaftlichen Basiswissens, die sich in unserem Alltag bestens bewähren. Sie kennen das bestimmt – wenn Sie Ihre Kaffeetasse ausspülen, gehen Sie beim nächsten Wasser, das Sie daraus trinken bestimmt nicht davon aus, dass der Kaffee nun stärker darin fortwirkt. Selbst wenn Sie die Tasse ein paar Mal kräftig auf den Tisch gestellt haben. Wir haben nicht den geringsten Hinweis darauf, dass unser naturwissenschaftliches Wissen, was Verdünnungsprozesse angeht, dermaßen falsch ist, wie es sein müsste, wenn die Homöopathie richtig liegt.

 

Es ist deshalb grundlegend unzutreffend, die Homöopathie als etwas darzustellen, von der wir lediglich nicht beweisen können, wie sie wirkt. Wir können über unser physikalisches Grundlagenwissen erklären, warum sie nicht besser wirkt als ein Placebo. Wir können aus der Studienlage sehen, dass die Messung mit dieser theoretischen Vorhersage übereinstimmt, denn Placebo-Überlegenheit konnte nicht eindeutig belegt werden – trotz eines enormen Aufwandes. Und wir können innere Widersprüche im Gedankengebäude der Homöopathie benennen. Eine Ausgangslage also, die die Homöopathie mit der Astrologie oder der Alchemie gemeinsam hat.

 

Indem Wissenschaft immer wieder die Frage stellt „Woran würden wir merken, dass diese Aussage falsch ist?“, findet sie wie keine zweite Methode durch immer schärfere Tests Fehler auch in dem, was wir bereits sicher glaubten. Wissenschaftliche Aussagen aber deshalb zu ignorieren und als einen aktuellen Irrtum abzutun, das wird ihr auch nicht gerecht. Bei all unseren Entscheidungen können wir immer nur nach bestem Wissen handeln und niemals nach dem Wissensstand der Zukunft, denn dieser steht niemandem zur Verfügung – den Homöopathen eben auch nicht.

 

Spekulation hat in der Behandlung kranker Menschen nichts verloren

 

Ein Patient hat das Recht darauf, dass sein Arzt ihm das Verfahren empfiehlt, das dem Patienten die größtmöglichen Chancen liefert, wieder gesund zu werden. Der Entscheidung, welches dieses Verfahren ist, sollte der Arzt vernünftige Gründe, also rationale, überprüfbare, nachvollziehbare Argumente zugrunde legen. Für einen Patienten sollte doch zumindest erkennbar sein, wann sein Arzt ein Verfahren aufgrund einer rein emotionalen Haltung wählt, aus einem spekulativen Glauben heraus oder in der Annahme, er allein wüsste besser als die Naturwissenschaftler bereits heute, in welche Richtung sich die naturwissenschaftliche Erkenntnis entwickeln wird.

 

Nicht nur, dass jemand, der Homöopathika zubilligt, mehr als ein Placebo zu sein, postulieren muss, dass unsere tagtäglich angewendeten physikalischen Grundlagen komplett falsch oder grob unzulänglich sind (ohne dass wir es im Alltag bemerken würden), nein, dieser Jemand muss auch noch postulieren, zu wissen, in welche Richtung sich unsere naturwissenschaftliche Erkenntnis entwickeln wird. Freilich ohne, dass irgendwelche Beobachtungsdaten für diese Entwicklung vorliegen.

 

Und falls Sie nun als nächstes an Galileo denken – Galileo hatte Belege. Der Widerstand gegen ihn entstand nicht, weil er sich in Spekulationen erging. Seine Erkenntnisse waren richtig – nur eben unangenehm. Sie passten damals niemandem und so scheint es heute auch mit der Beleglage gegen die Homöopathie zu sein. Ein Standpunkt, der mir erheblich dogmatischer scheint als der, einfach die vorhandene Faktenlage anzuerkennen.

Natalie Grams

 

Der Text ist zuerst in Zusammenarbeit mit der Physikerin Ute Parsch auf der Seite Informationsnetzwerk Homöopathie erschienen. http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/faq/38-frueher-dachte-man-doch-auch-die-welt-waere-eine-scheibe

 

Mehr zur Faktenlage der Homöopathie erfahren Sie auch hier www.homöopedia.eu

 

 

 

Beitragsbild: Wikipedia Commons Camille Flammarion, L’Atmosphère – Météorologie Populaire (Künstler unbekannt)

 

12 Responses
  1. osterhasebiene langnase Antworten

    Eigentlich wollte ich zu diesem Thema nichts mehr schreiben. Nolens volens. Ich verstehe die allgemeine Aufregung über homöopathische Mittel überhaupt nicht. Ist von diesen Mitteln schon einmal irgendjemand ernsthaft geschädigt worden? Da fielen mir doch ganz andere Dinge und Mittel ein…! Und teuer sind sie auch nicht, vielleicht liegt da der Hund begraben…Was ist so schlimm daran, wenn Globuli wirken? Und wenn es eine Placebo-Wirkung wäre, na und? Können die Wissenschaftler sich nicht mal um echte Probleme kümmern, wie neue, nichtresistente Antibiotika oder nebenwirkungsfreie Schmerzmittel oder weitere Übel. Oder hat die Pharmaindustrie die Wissenschaft schon so weit infiltriert, dass man jetzt den Globuli den Kampf ansagen muss. Das könnte ich mir sogar vorstellen. Nicht auszudenken, wenn Patienten „ungehorsam“ oder zur Selbstbehandlung ihrer Leiden „verführt“ werden könnten. Und dann die armen Kinder, die nicht ärztlich vorgestellt werden! Früher haben manchmal auch Kartoffelwickel geholfen, heute ist das schon unterlassene Hilfeleistung. Was, da gehst du nicht zum Arzt? – wie furchtbar! Manches heil tatsächlich auch von selbst. Mehr als man denkt, würde ich vermuten. Es sterben jährlich mehr Menschen in Deutschland an den Nebenwirkungen von verschreibungspflichtigen Medikamenten als im Straßenverkehr. Sogar die Krankenkassen haben schon Alarm geschlagen. Etwa 1,2 Millionen Schlafmittelabhängige haben wir in Deutschland. Da könnte man doch den Versuch mal wagen. Schlimmer kanns kaum noch werden.

    • Hallo Osterhasebiene Langnase. Danke für Ihren Kommentar. So lange es dem Patienten besser geht, ist das doch egal, was da wirkt, schreiben Sie. Das stimmt natürlich erst einmal. Doch ist es auch ehrlich? Zumindest die Therapeuten sollten doch wissen, ob sie wirkliche Medizin verschreiben oder eben nur Scheinmedikamente. Und ist es ethisch vertretbar, den Patienten darüber im Unklaren zu lassen? Dazu kommt:
      – Placebo-Antworten maskieren untaugliche Heilverfahren.
      Es ist schwerer zu unterscheiden, ob eine spezifische Wirkung eines Verfahrens vorliegt, wenn Scheinmedikamente gegeben werden, die auch immer irgendeine Wirkung haben können. Das ist ja genau das Dilemma der Homöopathie.
      -Placebo-Antworten maskieren möglicherweise den tatsächlichen Gesundheitszustand des Patienten.
      Erhält der Patient Scheinmedikamente und glaubt sich gut behandelt, so nimmt er möglicherwiese seine Beschwerden anders wahr. So kann es zu einer Verschlechterung kommen – obwohl sich Betroffene besser fühlen.
      -Placebo-Antworten sind kein bestellbares, quantitativ genau zu bestimmendes Phänomen; in welcher Größenordnung und ob sie überhaupt auftreten, ist im Einzelfall nicht zu ermessen.
      -Placebo-Effekte lassen sich nicht „gegen“ eine bestimmte Erkrankung richten, sie können nicht gezielt eingesetzt werden.
      -Die Verordnung von Placebo-Arzneien als Regeltherapie verlangt die Täuschung des Patienten, da der Therapeut zur Maximierung der Placebo-Antwort natürlich nicht die pharmakologische Unwirksamkeit der Arznei, sondern vielmehr die Bedeutungen „des Mittels“ in den Vordergrund des therapeutischen Gesprächs stellen wird.
      -Placebo-Gaben als Regeltherapie fördern die Medikamenten-Affinität, da davon auszugehen ist, dass selbst dann, wenn im Grunde keine Arzneien verabreicht werden müssten, der Patient trotzdem mit einer Medikamenten-Verordnung versehen wird. Dies halten wir vor allem bei Kindern für ein Problem (Stichwort „Globulisierung der Kinder“. Ihnen wird suggeriert, dass es für alles ein Mittelchen gäbe – und bräuchte).
      -Placebo-Gaben, die nicht als solche ausgewiesen sind, führen den Patienten hinters Licht und sind (medizin)ethisch nicht korrekt.

      Um Placebos sinnvoll nutzen zu können, muss den Verabreichern bewusst sein, dass es Placebos sind. Die meisten Homöopathen gehen allerdings davon aus, dass die Homöopathie eben nicht nur eine Placebowirkung hat. Homöopathie wird üblicherweise als grenzenloses Allheilmittel bis hin zu Krebs, Aids und Ebola angepriesen – und nicht einmal der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) distanziert sich von solchen Umtrieben, ganz im Gegenteil. Die regelmäßigen Jubelarien des DZVhÄ auf und die Unterstützung für das skandalöse Treiben der „Homöopathen ohne Grenzen“ in Kriegs- und Krisenregionen, gibt dafür beredt Zeugnis. Viele weitere Homöopathen-Webseiten geben Auskunft darüber, dass sie sich die Heilung von allem zutrauen. Davor gilt es Patienten zu schützen – nicht vor dem Placebo-Effekt.

      Und natürlich gibt es in der Medizin Fehler und Missstände – das wird doch an keiner Stelle bestritten. Das Thema ist hier nur einfach ein anderes. Lieben Gruß, Natalie

    • Hallo Osterhasebiene Langnase, ja, es wurden schon zahlreiche Menschen durch homöopathische Mittel geschädigt oder gar umgebracht, direkt und indirekt, nur wird sowas von den Verfechtern natürlich nicht an die große Glocke gehängt. Direkte Schäden können entstehen, weil viele der Niedrigpotenzen eben doch nicht so harmlos oder „nebenwirkungsfrei“ sind, wie die Homöopathen propagieren. Wenn dann noch Unfähigkeit seitens des Herstellers im Umgang mit diesen gefährlichen Subtanzen hinzukommt, können die Mittel im schlimmsten Fall zur einer akuten Gefahr werden.
      Indirekte Schäden, wenn durch die Pseudobehandlung eine echte Therapie unterbleibt. Homöopathie ist da immer vorn mit dabei, die Opfer „alternativer Krebsbehandlungen“ z. B. füllen Bände, Gestalten wie Ryke Geerd Hamer kann man getrost als Massenmörder bezeichnen. Und um ein besonders dramatisches Beispiel anzuführen – suchen Sie mal nach „Baby Gloria Thomas“. Die Eltern der Kleinen, beides überzeugte Homöopathen, verweigerten dem Kind eine echte medizinische Behandlung für eine an sich ziemlich harmlose bzw. leicht zu behandelnde Erkrankung. Das Ende vom Lied: Das Mädchen starb mit nur neun Monaten einen qualvollen Tod. Die Eltern wurden wegen Totschlags verurteilt. Ja, Homöopathie _kann_ schädigen und sogar töten!

  2. osterhasebiene langnase Antworten

    Liebe Natalie Grams,
    danke, für Ihre Antwort. Für die Polemik in meinem Kommentar möchte ich mich vorab entschuldigen. Ihre Argumente aus Sicht der Medizin kann ich schon gut nachvollziehen. Das ist es aber gerade, was ich anprangern will: der Anspruch auf Perfektion in der Medizin, das Heilen-Müssen um jeden Preis, koste es was es wolle und auch die Doppelmoral der Medizin, helfen zu wollen, aber die Lebensqualität des Patienten (oft) nicht an oberster Stelle zu sehen. Und dann natürlich die Übervorsicht, ja keinen Fehler zu machen, nichts zu übersehen…es könnte jemand ja Krebs haben und sich mit Homöopatika oder anderen „llusionen“ ganz gesund fühlen. Vielleicht ist grade das aber das Glück, denn man fühlt sich eben solange gesund, solange man nicht weiß, dass man krank ist. Krebsvorsorge als Früherkennung hat die Sterblichkeit nachweislich auch nicht reduzieren können. Das Leben ist begrenzt und den vollkommen gesunden Menschen gibt es nicht. Dass schlimme Krankheiten von der Medizin geheilt werden können, halte ich eben für ein Ammenmärchen, hier wäre wesentlich mehr Ehrlichkeit auch dem Patienten gegenüber zu fordern. Anspruch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander.
    Darin gebe ich Ihnen aber recht, dass die Globulisierung bei Kindern dazu führen kann, dass sie lernen, es gäbe für alles eine richtige Pille. Das ist eine schädliche Nebenwirkung der Homöopathie. Ich selbst möchte ein paar Mittel nicht in meiner Hausapotheke missen: Traumeel, Euphrasia, Nux Vomica, Zincum
    Valerianicum, Echinacea…und einige mehr. Ich glaube persönlich nicht an die Placebo-Wirkung von Homöopatika, fände es aber auch nicht schlimm, wenn es so wäre. Was mich in der Diskussion eher aufregt, ist die political correctness der Medizin, eine Ehrlichkeit (wenn Placebo ist, muss es auch draufstehen), die in Wahrheit falsch ist. In welchem Beipackzettel steht schon wahrheitsgetreu, was es beim Patienten tatsächlich anrichtet oder anrichten kann. Jedes Medikament wirkt bei jedem Menschen anders und dann erst in Kombination mit anderen Mitteln. Das ist ebenfalls unehrlich.
    Viele Grüße, osterhasebiene

  3. Liebe Osterhasenbiene. Ich stimme Ihnen zu, dass die normale Medizin, bzw. der normale Medizinalltag, oft nicht besonders „kuschelig“ ist und auch, dass wir von der Homöopathie lernen können, wie oft es offenbar gar keine Medikamente braucht – sondern Zeit, Zuwarten und Hoffnung auf Genesung.
    In den anderen Punkten widerspreche ich Ihnen jedoch vehement. Medizin muss den höchsten Anspruch haben ehrlich zu sein und heraus zu finden, wie sie kranken Menschen helfen kann – sei es durch Kuration oder Palliation. Und sie hat die Wissenschaft dabei als Hilfe, aber auch die ärztliche Heilkunst (die nicht mit Quacksalberei verwechselt werden darf).
    Auch dass Nebenwirkungen nur ein wahlloses Potpourri an Erscheinungen sei, dass dabei die Hälfte möglicherweise nicht stimmt, ist nicht richtig. Was glauben Sie, wie viel Arzneimittel-Hersteller ein Fest feiern würden, wenn da nicht so genau darauf geguckt werden würde?
    Und so verschieden sind die Menschen nun auch wieder nicht, dass man nicht Wahrscheinlichkeiten feststellen könnte, mit denen Medikamente wirken – wir unterliegen alle der gleichen Physik, Chemie, Biologie und Physiologie und auch die Pharmakodynamik ist echt ähnlich. Wir haben Studien, um diese Dinge zu klären, bevor Medikamente an Patienten angewendet werden – und das ist das beste Verfahren, das derzeit zur Verfügung steht. Um Perfektion kann es bei einem so komplexen Forschungsgegenstand wie dem Menschen nie gehen – wohl aber um Aufrichtigkeit und gute Behandlungspraxis auf Basis des aktuellen Wissensstands (Evidenzbasierte Medizin).
    Lieben Gruß, Natalie

  4. Guten Morgen,
    Vielleicht ist die Wahrheit gar nicht schwarz oder weiß. Um auf Osterhasebienes Bemerkung einzugehen: Eine schwere Lungenentzündung mit 40 Grad Fieber, Austrocknung und Delir bei einem älteren Menschen, das würde ich schon für eine schlimme Krankheit halten. Und zum Glück gibt uns die evidenzbasierten Medizin Medikamente in die Hand, um dieses Krankheitsbild zu behandeln. In meiner Tätigkeit sind mir noch nie Menschen begegnet, die gefragt haben, ob man da nicht was Homöopathisches geben oder Wickel machen kann…Wenn sich der gleiche Mensch aber nach seiner Genesung entscheidet, ein Homöopathikum einzunehmen, das sein Immunsystem unterstützt, habe ich nichts dagegen. Wir müssen nur unsere Grenzen kennen, die Homöopathie genauso wie die Schulmedizin. Ja, es gibt Krankheitsbilder, bei denen die Schulmedizin bislang keine Heilung anbieten kann, bei denen abwarten und beobachten aber aus meiner Sicht keine brauchbaren Optionen sind.
    Andererseits, Frau Grams, halte ich den Placeboeffekt für ein sehr nützlichen Effekt. Wenn man ihn sinnvoll einsetzt…an furchtbar viele Nachtdienste im Krankenhaus erinnere ich mich, in denen Patienten um eine Schlaftablette gebeten haben. Die meisten älter, viele mit einer sehr reichlichen Medikation gegen diverse Leiden. Aus der evidenzbasierten Medizin fällt mir zunächst ein, dass bei vielen Schlafstörungen nicht-medikamentöse Therapieoptionen sinnvoll sind. Einen kurzfristigen Effekt kann ich allerdings nicht erreichen und trotzdem wollen und sollen die Menschen in der Nacht schlafen. Gleichzeitig soll ich nach Primam Nihil nocere möglichst keinen Schaden anrichten. Ist es dann wirklich unethisch, wenn ich dem Schlaflosen eine Tablette gebe, die ihm beim Einschlafen hilft, nur eben nicht pharmakologisch erklärbar? Und wenn das partout nicht hilft, habe ich natürlich immer noch die Möglichkeit ein anderes Medikament zu geben.
    Wir müssen nur immer die Grenzen der sinnvollen Anwendungsgebiete im Blick behalten, als überzeugte Schulmediziner genauso wie als überzeugte Anhänger alternativmedizinischer Verfahren.

    In diesem Sinne einen ausgewogenen Gruß
    Esther

    • Liebe Esther,
      sicherlich kann man die Homöopathie als „add-on“ und als Vertrösterle verstehen und einsetzen, und das geschieht ja auch in einer Vielzahl unproblematischer Fälle. Aber brauchen wir dafür die Sonderstellung im AMG („besondere Therapierichtung“) mitsamt dem ganzen mystischen (und unlausiblen) Gedankengebäude, wochenlange und kostenintensive Zusatz-Ausbildungen für Ärzte, Abrechnungsziffern in der GOÄ, Repertorien und überhaupt die Homöopathie an sich? Reicht dafür nicht auch ein Bettkantengespräch, ein tröstendes Wort oder auch einmal die ehrliche Ansage, dass man hier nichts mehr tun kann, dass man den Patienten dabei aber nicht allein lässt? Vielleicht auch mal ein Placebo, das zwar ethisch nicht ganz korrekt, aber dennoch hilfreich sein kann? Dann bin ich ganz bei Ihnen.
      Die Gefahr der Homöopathie sehe ich jedoch darin, dass sie allzu oft eben nicht als „add-on“ verwendet wird, sondern als eine Art Eintritt zum Austritt aus der normalen Medizin, aus kritischem, rationalem Denken und aus dem aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft fungiert. Wo wollen Sie dann die Grenze ziehen? Bei der individuellen Impfentscheidung, bei der Ablehnung von allen „chemischen“ Medikamenten, bei psychiatrischen Krankheiten, die mit Bachblüten „therapiert“ werden?
      Lieben Gruß, Natalie

  5. Hallo,
    erste Frage: Ganz klar, nein, brauchen wir offensichtlich nicht, wenn sich jeder Privatverbraucher ja mit seinem Bedarf eindecken kann und jeder Angehörige eines geschützten oder ungeschützten Heilberufs damit herumhantieren darf…und obwohl ich persönlich nicht an die Wirksamkeit von Homöopathika glaube, gestehe ich ihnen eine Berechtigung als add-on zu.
    Ich bin ganz bei Ihnen, dass die Wirkung und Wirksamkeit eines therapeutischen Gesprächs nicht zu unterschätzen ist. Dass es das leider viel zu wenig gibt, halte ich allerdings für ein ökonomisch verursachtes Problem. Aber das steht auf einem anderen Blatt.
    Und obwohl ich die Grenzziehung auf die Entscheidung durch den Heilberufler bezog, würde ich mir in meinem Alltag tatsächlich aufgeklärte und mündige Patienten wünschen, die einer logischen Argumentation zugänglich sind, dann hätte ich auch Verständnis für individuelle Impfentscheidungen. Aber solange sich der Durchschnittsbürger mit epidemiologischen Zusammenhängen nicht beschäftigen will, kann es solche mündigen Patienten nicht geben.

    Es grüßt jemand, der seinen Beruf, aber nicht immer seine Arbeitsumständeliebt

    Esther

  6. Bernhard Varnskühler Antworten

    Liebe Osterhasebiene,

    Du behauptest: „Dass schlimme Krankheiten von der Medizin geheilt werden können, halte ich eben für ein Ammenmärchen, hier wäre wesentlich mehr Ehrlichkeit auch dem Patienten gegenüber zu fordern.“

    Als ehrlicher ehemaliger Lymphompatient kann ich Dir versichern, dass die böse Medizin mich vor jetzt immerhin schon 23 Jahren vor dem sicheren Tod bewahrt hat. Ich habe seitdem keinen Lymphkrebs mehr, betrachte mich deshalb ganz naiv mal als geheilt. Aber ich gestehe Dir gerne zu, dass Du ein Lymphom vielleicht nicht als „schlimme Krankheit“ akzeptierst.

    Und übrigens: nein, ich habe mich damals ganz bewusst nicht homöopathisch behandeln lassen und würde es auch niemals tun. Ich bin nämlich Chemiker. Ich weiß allein schon vom Massenwirkungsgesetz, dass ein nicht vorhandener Stoff schlicht nicht wirken kann. Ich weiß aus der Thermodynamik und aus der Quantenphysik, dass dort, wo „nichts“ ist, auch keine wie auch immer geartete „Information“ zu finden wäre. Und ich sehe nicht ein, warum eine so offensichtliche Illusion mich von Krankheiten – welcher Art auch immer – befreien können sollte.

    Liebe Grüße

    Bernhard

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