Impfung und Herdenschutz – Nachricht einer besorgten Mutter

von Johannes Hinrich von Borstel

Hilfe! Mein Monokel! 

Es gab mehrere Reaktionen zu meinem Impf-Beitrag, der am 19. Februar veröffentlicht wurde. Die lustigste kam von einem Menschen, der mir schrieb:

„sehr geehrter borstel. ich halte nichts von Adel und von impfung meine kinder vergifte ich nicht!!!!!! sie sind ein idiot!!!“

Vielen Dank für diese erquickende Wortmeldung. Als ich das las, fiel mir vor Schreck erstmal mein Monokel in den Kaviar. Ach ich bin auch ein Dussel. Das muss am vielen Champagner liegen. Dann fiel mir aber doch auf, dass Sie „Adel“ buchstäblich und wahrscheinlich unbewusst doch groß schreiben. Als einziges Wort in dieser Nachricht. Wenn das kein Zeichen ist, dass in Ihnen ein echter Monarchist schlummert… Wer weiß?! Darauf einen Brandy!

Eine weitere Nachricht hingegen stimmte mich nachdenklich und ich möchte sie hier beantworten. Sie stammt von einer Mutter dreier Kinder:

„Sehr geehrter Herr von Borstel, 

ich war erschüttert, als ich ihren Artikel gelesen habe. Ich bin Mutter dreier Kinder und habe meine Kinder nicht impfen lassen, da ich sie vor Impfschäden bewahren möchte. Und allen dreien geht es sehr gut, sie sind gesund und haben ein so starke Abwehrkräfte, dass sie keine dieser Kinderkrankheiten bekommen haben. Ich achte sehr auf gesunde Ernährung, wir sind viel draussen und so möchte ich es auch weitermachen. Ist es nicht viel naheliegender, dass Hinter dieser Durchimpfung die Geldgier der Krankenkassen steckt? Schreiben sie doch dazu mal einen Artikel. 

Mit freundlichen Grüßen …“

Ich möchte meine Antwort mit einem riesigen Dankeschön beginnen. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, den Artikel zu lesen und den Kontakt aufzunehmen. Natürlich möchte ich Ihre Nachricht sehr gerne beantworten. Los gehts!

Es gibt offensichtlich mehrere Gründe, warum es Ihren Kindern gut geht. Ihre Zeilen erwecken bei mir den Eindruck, dass Sie sich sehr gut im ihre Kinder kümmern. Gesundes Essen und viel Zeit draußen ist pures Gold, wenn es darum geht, das Immunsystem zu stärken. Nur muss ich Ihnen leider auch sagen, dass man sich auch mit gesunder Ernährung nicht gezielt vor bestimmten Erregern schützen kann. Das ist höchstwahrscheinlich nicht der Grund, dass Ihre Kinder trotz dessen, dass sie umgeimpft sind, noch nicht erkrankt sind.

Herdenschutz

Ich weiß, dass sich viele an dem Begriff „Herdenschutz“ stören. Schließlich treten Menschen ja nicht in Herden auf. Deswegen möchte ich diesen Begriff hier durch „Gruppenschutz“ ersetzen. Was ist das eigentlich? Ist in einer Gruppe die Immunität, die durch eine ausgestandene Erkrankung oder Impfung erzeugt wurde, weit verbreitet, dann sind meist auch diejenigen geschützt, die nicht immun sind. Das liegt daran, dass es wenige Überträger der Krankheit gibt. Sind in einer Gruppe von 100 Menschen 95 immun, dann kann man von Gruppenschutz sprechen. Die Wahrscheinlichkeit einen Erkrankten zu treffen, der einen anstecken könnte, ist hier eher gering.

Diejenigen, die nicht immun sind, profitieren hier also von der Immunität der anderen. Was aber passiert, wenn  sich immer weniger Menschen durch eine Impfung immunisieren lassen, solange die Krankheit, der vorgebeugt werden soll, nicht als ausgerottet gilt? Dann sind immer mehr Menschen potentielle Krankheitsüberträger und am Ende dieser Abwärtsspirale reicht eine Person, die die ungeschützten ansteckt, und schon haben wir eine Infektionswelle. Und im Falle der Masern ist das höllisch gefährlich. Gerade für Kinder. Betreten ungeschützte Menschen einen Raum, in dem sich kurz vorher noch jemand aufgehalten hat, der an Masern erkrankt war, liegt die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren nahe den 100 %.

Im Klartext: Ihre Kinder haben bisher noch niemanden getroffen, bei dem sie sich hätten anstecken können. Auf kurz oder lang kann das aber passieren, weil Masern nicht ausgerottet sind. Ein Beispiel für eine als ausgerottet geltende Erkrankung sind die Pocken. Ausgerottet unter anderem durch Impfmaßnahmen. In Deutschland war der letzte Pockenfall im Jahr 1972 aufgetreten, in Westdeutschland endete dann die Pockenimpfpflicht im Jahr 1976.

„Geldgier der Krankenkassen“

Ich bin mir nicht sicher, ob Sie wirklich die Krankenkassen oder eher Pharmakonzerne meinten, die Impfstoffe vertreiben, aber ich nehme Sie hier beim Wort.

Ich möchte zwei Szenarien vorstellen:

Szenario 1: Sie glauben an die Wirksamkeit der Masernimpfung!

Eine Krankenkasse investiert Geld in eine Impfung eines Kindes. Ein Kind erkrankt dadurch nicht an Masern und die Krankenkasse muss nicht für eventuell anfallende Kosten einer Masernerkrankung aufkommen. Das wäre in meinen Augen keine Geldgier. Hier würden die Krankenkasse unnötige Kosten vermeiden und Ihr Kind genießt auch zeitgleich einen Impfschutz. Das klingt für mich sehr stark nach einer Win-Win-Situation, oder nicht?

Szenario 2: Sie glauben NICHT an die Wirksamkeit der Masernimpfung!

Eine Krankenkasse investiert Geld in eine Impfung eines Kindes. Ein Kind erkrankt dennoch an Masern und die Krankenkasse muss für anfallende Kosten der Behandlung einer Masernerkrankung aufkommen. Das wäre in meinen Augen keine Geldgier, sondern bekloppt von der Krankenkasse. Sie hätte doppelt gezahlt und würde auf kurz oder lang pleite gehen.

Macht es Sinn, reine Geldgier der Krankenkassen hinter Impfungen zu vermuten? Ich denke nicht!

Macht es hingegen Sinn, solche Briefe zu schreiben, wie Sie es getan haben? In jedem Fall! Ich habe diesen Impfartikel geschrieben, weil ich genau solch einen Austausch haben wollte. Ich danke Ihnen und stehe jederzeit zur Verfügung, wenn es darum geht, diese Diskussion voranzutreiben oder einfach Fragen zu beantworten.

Vielen lieben Dank!

Johannes Hinrich von Borstel

 

Bildquellen:

https://pixabay.com/de/alte-briefe-alte-brief-handschrift-436503/

https://pixabay.com/de/strausse-vögel-strauß-vogel-strauß-838976/

9 Responses
  1. osterhasebiene langnase Antworten

    Impfung ist nicht Impfung: das wird bei der allgemeinen Impfdebatte jedoch selten berücksichtigt. Die Masernimpfung ist z.B. ein ganz spezieller Fall: Denn einmal Durchgeimpft in einer Gesellschaft, kursiert das Virus quasi nicht mehr und alle Nichtgeimpften profitieren solange, bis die Geimpften nicht in der Minderheit sind und/oder das Virus wieder eingeschleppt wird. Das Gefährliche ist aber, dass im späteren Lebensalter bei Erkrankung vermehrt Komplikationen auftreten bis hin zur akuten Lebensgefahr. Früher bekam fast jedes Kind im Alter von 0-10 irgendwann die Krankheit, die in diesem Alter auch meist gut und folgenlos überstanden wurden. Da gibt es aber noch ein Problem bei der Masern-Durchimpfung: da die Impfung sich im Laufe des Lebens abschwächt und bei Nicht-Kontakt mit dem Virus auch keine natürliche Impfauffrischung stattfindet, kann z.B. ein Geimpfter im höheren Alter angesteckt werden. Ab einem bestimmten Alter sollte auf jeden Fall jeder, der bis dahin noch nicht Masern hatte, geimpft sein.
    Anders ist es aber bei Impfungen z.B. gegen Zecken. Hier kann man individuell das Risiko abwägen. Auch das subjektive Sicherheitsbedürfnis spielt eine große Rolle und die Immunsituation, denn 60% aller mit dem FSME-Erreger infizieren bemerken gar nichts davon, 30% bekommen schwere Grippesymptome, die aber folgenlos abheilen und 10% erkranken an FSME mit dem Risiko bleibender Schäden. 1% Letalität. So weit ich weiß, gab es 2015 in Bayern 4 Fälle von FSME (ist jetzt ja auch meldepflichtig) und keine Todesfälle. Was ich hier nur sagen möchte ist, dass Impfung nicht pauschal abgelehnt oder befürwortet werden soll. Es gibt hervorragende Literatur zum Thema Impfung und es lohnt sich, sich zu jeder Impfung genaue Informationen einzuholen. Ich bin zwar nicht Arzt, aber Heilpraktikerin in spe. Herzliche Grüße.

    • Hallo Osterhasebiene Langnase,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Natürlich ist es richtig, nicht pauschal allem zuzustimmen, sondern sich zu informieren und dann Entscheidungen auf Basis korrekter Daten zu treffen.

      Leider sind die Daten, die Sie nutzen, teilweise nicht korrekt.
      Zwar ist es richtig, dass etwa ein Drittel der Erkrankten mit Symptomen den Arzt aufsuchen, 1 % Letalität etc. Sieht man jetzt noch die von Ihnen vorgestellte Zahl der 4 FSME-Erkrankungen in Bayern, könnte man zu dem Schluss kommen, dass es sich kaum lohnen würde sich impfen zu lassen. Doch leider ist diese Zahl der 4 FSME-Fälle in Bayern völlig falsch!

      In Bayern kam es im Jahr 2014 zu 123 gemeldeten FSME-Erkrankungen, im Jahr 2015 zu 127 gemeldeten Fällen. Hier lohnt es sich in der Tat, genaue Informationen einzuholen.

      Denn auf Basis dieser korrekten Fallzahlen vom Robert-Koch-Institut könnte man durchaus zu dem Schluss kommen, dass sich eine Impfung lohnt. Gerade, weil die FSME-Gebiete in Deutschland wachsen und FSME lange keine „Waldkrankheit“ mehr ist, sondern infizierte Tiere vermehrt in Gärten und Parks zu finden sind.

      Johannes Hinrich von Borstel

      Quelle:

      Robert-Koch Institut. Gesamtstatistik meldepflichtiger Krankheiten 2014/2015:
      http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Jahrbuch/Jahresstatistik_2015.pdf?__blob=publicationFile

  2. osterhasebiene langnase Antworten

    @Herr Dr. Teuschel, ok bitte löschen Sie meinen Kommentar. Ich schreib nichts mehr auf Ihren hohen Seiten aufgrund chronischer Dummeristis und unwissenschaftlicher Unwissenheit als nichtmal praktizierender Heilpraktiker. Viel Erfolg weiterhin!

    • Nachdem ich hier direkt angesprochen bin: Die Verwaltung der Kommentare (Freischaltung, Beantwortung oder eben Nicht-Freischaltung und Löschung) obliegt hier den jeweiligen Autoren der Beiträge!

    • Der Klassiker! Wenn man auf höfliche und sachlich-fundierte Kritik mit totaler Verweigerung und Ablehnung reagiert. Made my day 😀

  3. Michael Schröder Antworten

    Guten Tag Herr Borstel, sie haben den besorgten Brief einer Mutter sicher recht gut beantwortet nach dem aktuellen Stand der Forschung. Das liest sich alles recht gut und logisch.
    Vielleicht ist Ihnen diese Passage entgangen, auf die Sie leider bei der Beantwortung nicht eingegangen sind: „ich habe meine Kinder nicht impfen lassen, da ich sie vor Impfschäden bewahren möchte.“
    Die Gefahr einen Impfschaden zu erleiden, ist wahrscheinlich recht gering. Aber nichts genaues weiß man nicht. Vielleicht kennen Sie die offiziellen Statistiken zu Impfschäden oder wissen, wo man diese öffentlich einsehen kann. Ich kenne leider keinen Weg, wenigstens die Anzahl und Verteilung anerkannter Impfschäden zu erfahren Die Ungewissheit in diesem Bereich gibt natürlich Spekulationen breiten Raum.
    Ich bin eigentlich kein Impfgegner per se, bin selbst geimpft als Kind und habe es ohne Impfschaden überlebt. Bei den heutigen neuen Impfstoffen gegen 3, 6 oder noch mehr Erreger habe ich aber nicht das Gefühl einer Verbesserung für den Patienten. Offizielle Statistiken über die Risiken wären m.E. für die Akzeptanz von Impfungen wichtig.

    mfg
    Michael Schröder
    Heilpraktiker

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