Was hat mich überzeugt, mit der Homöopathie aufzuhören

Vielleicht kennen Sie meine Geschichte schon, aber da die Diskussion um die Homöopathie derzeit wieder so tobt, möchte ich Ihnen gerne erzählen, was mich überzeugt hat, mit der von mir heißgeliebten Homöopathie „Schluss zu machen“.

Der wichtigste Schritt war wohl zu erkennen, was Medizin, Wissenschaft und insbesondere Naturwissenschaft überhaupt bedeuten. Ich war, wie viele Homöopathen und auch Heilpraktiker, der Meinung, damit sei etwas Schlechtes, Böses gemeint. Ich begann also ein Buch zu schreiben, um „Beweismaterial“ für die Homöopathie und gegen die Wissenschaft zu sammeln. Wie viele Homöopathen dachte ich, die Beweise würden nur zurückgehalten oder verfälscht, um nicht die ganze Kraft (und damit Gefahr für die normale Medizin) dieser Heilmethode zu offenbaren. Und ich dachte natürlich auch, andere Homöopathen seien einfach nur schlechter als ich. Wenn die es nicht hinbekommen Patienten zu heilen, ist es kein Problem der Methode. Ich war auch der Meinung, dass „Pharmakonzerne“ die Magazine wie den Spiegel kauften oder positive Forschungsergebnisse boykottierten, dass Wissenschaftler einfach „keinen Bock“ auf die Forschung über Homöopathie hätten, weil damit bestehendes Wissen bedroht wäre. Ich war mehr als alles andere davon überzeugt, dass das Wissen, dass die Homöopathie erklären würde, einfach noch nicht gefunden sei. Das Buch „Die Homöopathie-Lüge“ von Christian Weymayr und Nicole Heißmann habe ich noch als üble Diffamierung der Homöopathie gesehen. Und ich wollte den Gegenentwurf liefern.

Was daraus geworden ist, sehen sie ja an meinem Buch. Und an meiner Praxisaufgabe. Wie kam es dazu? Das Wichtigste für mich war, zu erkennen:

  1. Wissenschaftler sind nett. Sie haben ein ehrliches Interesse daran, die Wahrheit (oder eine möglichst nahe Näherung daran) methodisch herauszufinden. Selbst wenn diese ihrem bisherigen Wissen widersprechen würde, würde es sie erst recht ermutigen, eine Hypothese zu prüfen. Wissenschaftler wollen wissen, was die Homöopathie kann. Wissenschaftler sind auch unbestechlich, was Ihre Methoden betrifft (damit sind jetzt nicht alle als Menschen gemeint). Unendlich viel Mühe ist in die Methodik gelegt worden und diese wird keineswegs in Stein gemeißelt, sondern weiter und weiter entwickelt. Neues Wissen wird integriert, wo immer dies begründet werden kann. Der Anspruch ist Erkenntnis. Die Wissenschaft ist nicht etwa ein Weltbild, sondern eine Methode, die sich dazu verpflichtet hat, herauszufinden und einfach beschreiben zu können, was ist (und nicht, was wir gerne hätten).
  2. Naturwissenschaft dient z. B. dazu, die natürlichen Vorgänge im Menschen als Teil der Natur zu erforschen. Und  diese Vorgänge sind heute (im Gegensatz zu Hahnemanns Zeiten) gut bekannt und werden mit Biologie, Physik, Chemie und Physiologie immer besser beschrieben. Wäre die Homöopathie wahr, so wären all diese Gesetze und all dieses Wissen falsch. Es liegt also nicht daran, dass wir noch nicht wissen, wie die Homöopathie funktioniert, sondern daran, dass wenn sie so funktionieren würde, wie Homöopathen sich das vorstellen, alles andere, was wir täglich erfahren (und wissenschaftlich überprüfen können) nicht stimmen würde. Etwas verkürzt: Die Schwerkraft ist eine Tatsache, die Lebenskraft ist eine Idee von vor 200 Jahren, die heute widerlegt ist. Die Schwerkraft gäbe es auch ohne uns Menschen, die Lebenskraft aber ist eine Vorstellung im Menschen, keine Naturgröße. Hahnemann hat sie postuliert, was wissenschaftlich gesehen einer Hypothese entspricht, wir haben sie 200 Jahre lang überprüft, und können heute mit Sicherheit behaupten: Eine solche Kraft gibt es im Menschen nicht. Wir können uns eine solche Kraft vorstellen, aber sie wird dadurch nicht zu einer Tatsache.
  3. Die (Natur-)Wissenschaft hat sich seit Hahnemann extrem weiterentwickelt: Bakterien, Viren, physiologische Zusammenhänge, Hormonregulation, DNA-Sequenzierung, psychologische Zusammenhänge, die Psychosomatik – das alles und vieles mehr kannte und wusste Hahnemann nicht. Und während keiner von uns heute auf Handy, Computer, Internet, Schlaganfall-Therapie oder Notfallmedizin verzichten möchte, tun wir bei der Homöopathie so, als seien ihre Erkenntnisse „up to date“. In vielem war Hahnemann zweifellos ein Vordenker seiner Zeit und allein seine Abkehr von der sogenannten heroischen Medizin, war ein Segen für viel Menschen und für die Medizin insgesamt. Dafür gebührt ihm auch heute noch Ehre. Aber die drei Haupt-Säulen seiner Homöopathie, die er als Gegenmodell entwickelte, sind heute wissenschaftlich widerlegt: es gibt kein Ähnlichkeitsprinzip, die Potenzierung macht keinen Sinn und die Arzneimittelprüfung ist alles mögliche, aber keine Prüfung.
  4. Homöopathen werfen den Wissenschaftlern ja immer vor, sie sollten erstmal nachweisen, dass die Homöopathie nicht  funktioniert. Das war ja auch der aktuelle Auslöser der TK-Homöopathie-Debatte. Man nennt das ach Beweislastumkehr. Es kann jedoch leider nie bewiesen werden, dass etwas nicht funktioniert/vorhanden ist. Es gibt dazu ein berühmtes Beispiel: Sie werden nicht beweisen können, dass es Einhörner nicht gibt. Denn in irgendeinem Keller könnte ja theoretisch eins eingesperrt sein oder Sie gucken gerade am falschen Ort. Sie müssten aber andererseits, wenn Sie behaupten, es gibt Einhörner, eines vorweisen können. Die Homöopathie behauptet also nun, dass die Homöopathie wirke (über einen Placebo-Effekt hinaus). Kann es aber nicht vorweisen/nachweisen – im Gegenteil jede seriöse Studie zeigt, dass ihr Effekt dem Placebo-Effekt entspricht. Darüber hinaus kann die Homöopathie nach den Maßstäben unserer heutigen Wissenschaft noch nicht mal sagen, wie sie wirken könnte. Das macht die Sache eigentlich klar. Doch die Homöopathen behaupten konsequent etwas anders und tun so, als müssten die Kritiker das Einhorn (das nicht da ist) endlich anerkennen.
  5. Den Punkt „Ich sehe doch, dass es geholfen hat“, den kenne ich auch nur zu gut. Ich habe „Wunderheilungen“ erlebt bei Kindern, Schwerstkranken, Aufgegebenen. Nicht täglich, aber weitaus häufiger als ab und zu. Und es ist unheimlich schwer gewesen, einzusehen, dass und warum zwischen Globuli-Gabe als Arzneimittel-Gabe und einer Verbesserung kein Zusammenhang, keine Kausalität, hergestellt werden kann. Auch hier musste ich erst den Begriff und die Bedeutung der Kausalität verstehen und warum empirische Erhebungen oder persönliche Erfahrungen nicht dazu geeignet sind, eine Aussage über die Wirksamkeit der Homöopathie zu machen.
  6. Was mir wohl am schwersten gefallen ist, war zu akzeptieren, dass Anekdoten komplett wertlos sind, wenn es darum geht ein Verfahren und seine Wirksamkeit zu beurteilen. Natürlich macht es Eindruck, wenn man meint, an seinem Baby ein wundervolle Heilung „durch“ Homöopathie erlebt zu haben. Oder wenn einem die Nachbarin erzählt, dass sie nach dem Gang zum Homöopathen ihre langjährige Neurodermitis endlich und völlig überraschend losgeworden sei. Solche Geschichten bleiben auch hängen und es fällt schwer, ihnen nicht automatisch Glauben zu schenken. Mir ist es jedenfalls schwer gefallen, zu erkennen, dass einzelne Erfahrungen immer auch Zufall sein oder andere Gründe haben können. Und dass diese Erklärungen zwar weitaus weniger spektakulär, aber viel wahrscheinlicher sind, um die Homöopathie und ihre „Erfolge“ zu erklären. Um genau solche Fehler zu vermeiden, haben wir in der Medizin ja die Studien. Sie lassen Beurteilungen zu, ob ein Verfahren nur zufällig Einzelnen hilft, oder ob eine Wirksamkeit über einzelne Zufälle und Placeboeffekte hinaus vorhanden ist. Bei der Homöopathie ist dies nachweislich (mehrfach!) nicht der Fall. Das hat mich letztlich überzeugt.

Alles in allem ein schwerer Weg, denn es ist so viel leichter, eine Meinung ohne wirkliche Ahnung zu haben, als sich eine Ahnung von Wissen zu erarbeiten.

Zum Weiterlesen http://thelogicofscience.com/2016/02/10/5-reasons-why-anecdotes-are-totally-worthless/

 

16 Responses
  1. Verblüffend! Irgendetwas muss mit dem Medizinstudium gründlich faul sein… Und dann: wie kann man einen Dr. med. erwerben, also die Fähigkeit zu selbstständigen wissenschaftlichen Arbeiten, und dann Ihre Punkte 1. – 6. offensichtlich überraschend finden. Das will mir nicht in den Kopf.

    • Die Gründe sind vielfältig und überschneiden und summieren sich.

      1. Studium:
      Ich habe als Medizinerin ein (natur-)wissenschaftliches Studium absolviert. Aber leider besteht das Medizin-Studium, aufgrund der großen Fülle an zu Wissendem, vor allem aus Auswendiglernen und nicht aus Verstehen. Was da an biologischem, chemischem, physikalischem, anatomischem und physiologischem Wissen in der Vorklinik zu Lernen ist, ist unfassbar. Ich fürchte, trotz Chemie-Abitur, ist es mir nicht gelungen, die nötige Tiefe des Verstehens zu erreichen. Arbeitet man dann erstmal als Arzt in der Klinik-Zeit mit diesem „Wissen“, hinterfragt man es nicht mehr. Oder ich nicht genug.
      Ich habe während des Studiums zwei Semester Statistik-Vorlesung gehabt. Auch hier ging es vor allem um schnell rein in den Kopf – und – schnell wieder raus. Es blieb eigentlich nichts hängen davon.
      Ich hatte keinerlei Ausbildung in Studien-Design, -Durchführung oder -Auswertung und -Interpretation. Während dies im Psychologie-Studium schon in den ersten Semestern gelehrt wird, kommt es im Medizin-Studium wenig bis (wie in meinem Fall) gar nicht vor.
      Meine Doktorarbeit, die ja der „Beweis“ sein soll, dass ich als Arzt wissenschaftlich arbeiten (und denken) kann, habe ich im Bereich von Qualitätssicherung geschrieben. Ich hatte also auch dort keine Erfahrung mit Patienten-Studien oder Wirknachweisverfahren. Generell sind medizinische Doktorarbeiten, die ja auch oft zeitgleich zum Studieren geschrieben werden, längst nicht immer so wissenschaftlich fundiert, wie angenommen oder wie in anderen naturwissenschaftlichen Fachbereichen.
      Naturheilkunde und Homöopathie werden im Studium vorgestellt, es gibt Studentengruppen und Zusatzfortbildungen. Ich hatte während des Studiums wirklich das Gefühl, hier ginge es um eine akzeptierte Ergänzung des normalen medizinischen Wissens. Die Unvereinbarkeit der Grundsätze war mir damals nicht so augenscheinlich. Das homöopathische „Wissen“ wird als „so ist es“ präsentiert, genauso wie das medizinische Wissen. Welch krasser Unterschied in der Qualität des Wissens dabei vorhanden ist, ist mir erst bei der Recherche zum Buch aufgefallen. Spätestens in der Ausbildung zum Homöopathen fallen dann alle Zweifel weg, denn wird wirklich vermittelt: das ist so und da gibt es nichts in Frage zu stellen. Nicht wir Homöopathen haben ein Problem, sondern jeder, der an der Homöopathie zweifelt.
      2. Denken:
      Der Unterschied zwischen schnellem und langsamem Denken ist mir auch erst während der Recherche zu meinem Buch klar geworden. Dass das rationale Denken mühsamer ist und dem Menschen nicht geschenkt wird, habe ich mir erst klarmachen müssen. Vorher hielt ich die Argumente für die Homöopathie für gleichwertig, wie die Argumente dagegen. Dass es sich im ersten Fall um Meinungen handelt, im zweiten Fall jedoch um mühsam erarbeitetes Wissen, das habe ich lange nicht klar gehabt.
      Naturwissenschaftliches Denken schien mir nach meinen Erfahrungen in Studium und Klinik gleichzusetzen mit emotionaler Kälte. So wollte ich meinen Patienten nicht begegnen. Ein großer Aha-Effekt während der Recherchen zum Buch war: Krass, viele Wissenschaftler sind ja wirklich nett, offen und sehr bemüht darum, mir Wichtiges und auch Komplexes verständlich darzulegen. Intuitiv und schnell gedacht hatte ich sie in eine Schublade „weltfremd, kritisch um der Kritik willen, borniert, dogmatisch“ gesteckt. Zu merken, dass diese Zuschreibungen jedoch eher für die Homöopathen, denn für die Wissenschaftler passen, das war schon ein Schock.
      Der „Binnenkonsens“ der Homöopathie und das „Wir sind die besseren Heiler“-Gefühl der Homöopathen hat eine gewisse Attraktivität – solange man nicht aus diesem Raum heraustritt. Jetzt ist es ganz schön arg, da von draußen darauf zu blicken und die Muster der Denkfehler klarer zu erkennen.
      Die Heilerfolge in meiner Praxis schienen mich zu bestätigen, dass die Homöopathie einfach funktioniert. Ich stellte mich auf den „pragmatischen“ Standpunkt: solange ich SEHE, dass es funktioniert, muss ich nicht VERSTEHEN wie es funktioniert. Damit war der Teufelskreis geschlossen.
      3. Persönliche Geschichte:
      Ursprünglich wollte ich Chirurgin werden. Wie ich im Buch auch kurz darlege, bin ich selbst erst zur Homöopathie gekommen nach dem ich wegen psychosomatischer Beschwerden über ein halbes Jahr hinweg von Facharzt zu Facharzt, gelaufen war. Dort fragte keiner nach meiner Geschichte, aktuellen Situation oder inneren Verfassung. Ich war verzweifelt und stand kurz vor der Aufgabe meines Studiums, da ich so auch nicht im OP würde arbeiten können. Ich kam dann auf Empfehlung einer Kommilitonin zu einer Homöopathin und sie hörte mir zu. In mir stellte sich die „Kausalität“ her: die Homöopathie hat mir geholfen, denn in der Tat blieben die Beschwerden zunehmend aus (weil ich ja die Globuli nahm) und ich konnte normal weiter studieren. Warum schreibe ich diese sehr privaten Dinge? Weil ich davon überzeugt bin, dass es oft ähnlich Erlebnisse mit der normalen Medizin sind, die Ärzte und Patienten zur Homöopathie bringen. In einer Notlage Gehör zu finden und einen Raum, in dem man emphatisch aufgefangen wird, das tut gut. Dieser „Raum“ wird dann nicht mehr kritisch hinterfragt.
      Der reale Umgang mit Patienten im normalen klinischen Durchlaufbetrieb war mir ein Gräuel. So wollte ich nicht arbeiten. Ich hatte ja selbst erlebt, wie hilflos man sich fühlt, so allein gelassen zu werden mit dem individuelleren Teil der gesundheitlichen Problematik, dass ich meinen Patienten etwas anders anbieten wollte. Da kam mir dann die „Alternativmedizin“ wie eine wirkliche Alternative vor.
      Sobald ich mich im „alternativmedizinischen Zirkel“ befand, befand ich mich im Denkfehler. Zwar blieb wohl immer ein unbewusstes Gefühl der kognitiven Dissonanz, aber lange eben nicht schmerzhaft genug, um bewusst zu werden.
      Es gibt sicher noch eine Reihe von weiteren Faktoren, aber ich denke, das sind die wichtigsten Punkte. Ich denke auch, dass es immer ein persönlicher Grund ist, an der Homöopathie hängen zu bleiben, eine wichtige persönliche Erfahrung. Schwört man erstmal auf diese Erfahrung, so ist man mit besserem Wissen nicht mehr zu erreichen. Die Vermittlung von Wissen ist sicher unerlässlich in der Aufklärungsarbeit in Bezug auf die Homöopathie – aber ohne Reminiszenz an die persönliche Geschichte jedes einzelnen „Überzeugten“ wird sich nichts ändern. Eben weil wir Menschen nicht automatisch zum rationalen Denken neigen.

  2. Hm, das erinnert mich an einen alten Freund. Der hat während seines Medizinstudiums als Rettungsanitäter gearbeitet, und in der Zeit glaub ich mehr Menschen das Leben gerettet, als das einem durchschnittlichen Arzt üblicherweise vergönnt ist. Er hat nie promoviert und das so begründet: Doktortitel ist etwas für Wissenschaftler. Medizin ist aber keine Wissenschaft, sondern ein Handwerk und im besten Fall eine Kunst. Kann es sein, frag ich jetzt ganz frech, dass die Homöopathie eine Kunst ist? Mir persönlich ist das alles relativ humpe. Ich hab mich gelegentlich homöopathisch behandeln lassen. Das eine oder andere Mal schien mir das sogar geholfen zu haben. Dass das aus wissenschatlicher Sicht Humbug ist, war mir eigentlich immer klar. Aber vielleicht ist das Pech für die Wissenschaft?!

    • Homöopathie ist eine Methode, die ausschließlich auf Placebo- und anderen Kontext-Effekten beruht. Homöopathen sind oft hervorragend im Maximieren dessen, was als die Kunst in der Medizin bezeichnet wird. Die Homöopathie kann jedoch niemals eine optimale Behandlungsform sein, die doch stets aus Kunst und Wissenschaft bestehen muss. Um es krass auszudrücken und auf den Punkt zu bringen: Wer ausschließlich auf Kunst zurückgreift, bringt seine Patienten um einen wesentlichen Bestandteil des ihm zustehenden therapeutischen Effekts. Letztlich verstößt ein solches Verhalten gegen die medizinische Ethik.

      • Ich bin ja nun Patient, und ich glaube nicht dass mir irgendein therapeutischer Effekt „zusteht“. Ich hab ein paar mal Pech gehabt, dass ich krank wurde und ein paar mal Glück, dass man mir helfen konnte. Ich hatte nie das Gefühl, dass mir auch nur irgendetwas zusteht, weder das Pech, noch das Glück. Zum Thema „medizinische Ethik“ verweise ich noch einmal auf den Fall Macchiarini.

  3. Dies ist eher ein genereller Kommentar zu diesem Blog. Ich finde es ziemlich irritierend, wie ihr auf die Homöopathie einschlagt …. alles im Namen der Naturwissenschaft.

    Ich finde: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

    Wer sich darüber beklagt, dass Homöopathie als Kassenleistung abgerechnet werden kann, der sollte sich nur im Ansatz einmal mit den unnötigen OPs beschäftigen, die jedes Jahr in Kliniken aus Umsatz- und Gewinnstreben durchgeführt und über die Kasse abgerechnet werden. Alle OP werden natürlich aus medizinischen (also wissenschaftlichen) Gründen induziert. Wer aber einmal den klinikinternen Wettbewerb um die beste OP-Statistik erlebt hat, wird eines Besseren belehrt.

    Wer die Homöopathie anklagt, sie könne nichts wissenschaftlich beweisen (während Psychopharmaka ja klar nachweisbare chemische Reaktionen auslösen), der muss sich dann auch fragen, warum nicht alle Menschen gleichermassen auf Psychopharmaka ansprechen – wenn doch die chemische Reaktion überall die gleiche ist. Spätestens dann kommen wir zu einem nicht unerheblichen Teil in einen Bereich von nur schwer quantifizierbaren Faktoren (Biographie, Überzeugungen & Denkhaltungen, Arzt-Patientenbeziehung).

    Die oben erwähnten „Wunderheilungen“ – ob sie nun der Homöopathie zuzuschreiben sind oder nicht – noch nie habe ich gehört „Der Arzt gab mir eine Packung Trimipramin und alles war weg“. Aber ohne Frage gibt es so etwas wie Spontanheilungen, die im übrigen auch „wissenschaftlich“ dokumentiert sind.

    Ich habe während meines Studiums gelernt, dass es so etwas wie Objektivität nicht gibt.

    Warum konzentriert ihr euch nicht auf eure Stärken und begeistert über Erfolge (Patienten, denen es besser geht) – anstatt die Energie darauf zu verwenden, ein Homöopathie-Bashing erster Güte zu veranstalten?

    • Sie meinen, wir sprechen einfach nur über Positives und tun so, als ob es keine Probleme und berechtigte Kritik gäbe? Gern, ist ja Wochenende.
      Und nächste Woche „bashen“ wir dann weiter. Nur: Die Fehler der Medizin machen die Homöopathie nicht automatisch zu einem wirksamen Verfahren (und dass die Medizin Fehler hat, hat zumindest hier niemand jemals bestritten).

  4. Hallo Frau Grams, ich bin auch kritisch gegenüber der Homoöpathie eingestellt und doch scheint der Placebo-Effekt ja gelegentlich zu wirken und das Wohlbefinden der Patienten positiv zu beeinflussen. Soll man dann nicht den „Homöopathie-Gläubigen“ diesen Vorteil zugestehen ?

  5. osterhasebiene langnase Antworten

    Liebe Frau Grams, ich habe Ihr Buch gelesen und fand das wirklich großartig. Es hat mir allerdings auch ein wenig den (privaten) Spass an meinen homöopathischen Mittelchen genommen, aber so ganz ernst habe ich die Sache sowieso nie genommen. Da war immer ein tiefer Zweifel bezüglich der Wirksamkeit, der mehr Wunschdenken war. Wie soll ich das jetzt den Kindern beibringen, die jahrelang meine „Medizin“ geschluckt haben? Danke für dieses wichtige Buch! Ich glaube auch, dass wir mit Gesprächen/Zuwendung (Bewusswerdung der Probleme) und Psychotherapie wesentlich ehrlicher arbeiten und im Endeffekt auch nachhaltigere Ergebnisse erzielen können, weil vor allem die Selbstverantwortung aktiviert wird, statt die Problemlösung einer „Zauberheilung“ durch Zucker- Kügelchen zuzuschreiben. Viele Grüße.

    • Oh, das freut mich wirklich sehr. Danke, dass Sie das „auf sich genommen haben“. Mir fehlen die Globuli auch manchmal – es war so schön, einfach immer etwas an der Hand zu haben, jedenfalls gefühlt. Aber es ist einfach ehrlicher so 😉 Und die Kinder haben sich sehr schnell daran gewöhnt, dass auch Buchvorlesen, Wärmflasche und Tee mit Honig ganz wunderbare „Zaubermittel“ sind. Alles Gute Ihnen und Ihren Kindern!

  6. Neuigkeiten im Fall Macchiarini: http://www.augsburger-allgemeine.de/wissenschaft/Siebtes-Todesopfer-mit-kuenstlicher-Luftroehre-id40947826.html

    Leider kein Einzelfall. Wer mehr wissen will, dem empfehle ich den Blog https://forbetterscience.com/ des streitbaren und akribischen Wissenschaftsjournalisten Leonid Schneider.

    Was ich damit sagen will: Verglichen mit dem, was unter der Flagge der Wissenschaft so alles segelt, sind die paar Kügelchen Peanuts. Auch finanziell. Die Folgekosten dieser „Spitzenmedizin“ sind gigantisch, wie zum Beispiel bei Macchiarini die ewiglange Quälerei der Patienten auf den Intensivstationen. Auch diese Kosten tragen die Krankenversicherer bzw. die Allgemeinheit, was die geförderte Forschung angeht.

    Wissenschaft edel, hilfreich und gut gegenüber Nichtwissenschaft unethisch, betrügerisch und bös… wenn’s doch so einfach wär.

    Und ich sage das als begeisterter Anhänger der Aufklärung.

    Daher scheint mir der von Ihnen beworbene „March for Science“ auch bislang noch problematisch. Irgendwie finde ich es sympathisch, wenn Wissenschaftler für ihre Interessen und gegen diese unsägliche um sich greifende Lügerei auf die Straße gehen. Ich beobachte das mit leichtem Zweifel. Wahrscheinlich gehe ich doch hin.

    • Ich habe es jetzt endlich geschafft, den Artikel zu lesen – das ist ja echt tragisch und sicher nicht das, was ich mit „Fortschritt“ oder „im Namen der Wissenschaft“ meinte! Ich werde mich gerne weiter dazu belesen. Danke für den Hinweis!

  7. Ganz schön rüde, einen kritischen aber sachlichen und inhaltlich passenden Kommentar einfach wegzumoderieren. So etwas habe ich ehrlich gesagt noch nie erlebt. Es scheint sich hier um einen Lobby-Blog zu handeln…

    Äußerst schade, denn ich fand PTs Blog „Schräglage“ immer sehr anregend. Auch dort habe ich gelegentlich gemotzt, ohne dafür zensiert zu werden.

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