Warum gehen wir für die Wissenschaft auf die Straße?

Haben Sie schon vom March for Science gehört? Am 22. April 2017 wollen Menschen für die Wissenschaft demonstrieren. Die ursprünglich in den USA geplante Protestbewegung gegen die zunächst befürchtete dann immer offensichtlichere Wissenschaftsfeindlichkeit des Trump-Kabinetts hat sich zu einer „Pro-Science-Aktion“ auch in Deutschland gewandelt.

Auf der Homepage heißt es:

„Von der Leugnung des Klimawandels bis hin zu absurden Verschwörungstheorien (z.B. „Chemtrails“) – immer wieder kann man beobachten, dass wissenschaftlich erwiesene Tatsachen geleugnet, relativiert oder als lediglich „alternative Tatsachen“ diffamiert werden, um daraus politisches Kapital zu schlagen. In diesem Frühjahr 2017 werden daher wieder weltweit Menschen auf die Straße gehen, um für den Wert von Wissenschaft und Forschung zu demonstrieren. Diese Demonstration ist überparteilich und nicht von Institutionen getragen. Es ist ein „March for science, not a march for scientists“. Alle Menschen sind eingeladen – nicht nur Wissenschaftler!”

Wenn Sie nun aber sagen „Wissenschaft kann mir gestohlen bleiben“, dann seien Sie bitte konsequent: Trinken Sie den Cappuccino, der neben Ihnen steht, nicht aus, auch nicht den Tee (zumal wenn er mit einem Wasserkocher oder Herd zubereitet wurde), fliegen Sie nicht mehr in den Urlaub, verschenken Sie Ihr Auto, benutzen Sie keinen Lippenstift und keinen Rasierschaum. Und bitte lesen Sie Ihren Kindern keine Bücher über Dinosaurier vor! Lassen Sie sich nicht vom Notarzt nach einem schweren Unfall retten, verzichten Sie auf den Strom zu Hause, auf Brötchen vom Bäcker, TV/Computer/Laptop/Handy/Soziale Netzwerke, Fotokameras! Lesen Sie fortan keine Zeitungen mehr, leben Sie ohne Wettervorhersage, winddichte Softshell-Jacken, Power-Point-Präsentationen und Skype-Gespräche mit Ihrer Tochter auf Auslandsaufenthalt. Verzichten Sie auf das nächste Public Viewing zur Fußall-WM und auf eine Narkose bei einer Zahnwurzel-OP. Das geht nicht? Klar geht das. Aber wäre Ihr Leben noch das was es jetzt ist? Mit all seinen Vorteilen und Bequemlichkeiten?

Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) schreibt auf ihrer Homepage:

„Wir alle profitieren vom wissenschaftlichen Fortschritt. Medizin und Technik lassen uns länger und gesünder leben als je eine Generation vor uns. Moderne Technologien erleichtern uns den Alltag und bringen uns in Kontakt mit Menschen und Ideen aus der ganzen Welt. Das aufgeklärt-rationale Weltbild nimmt uns uralte Ängste und lässt uns begeistert über Dinge staunen, die unseren Vorfahren noch unerklärlich oder völlig unbekannt waren. Wissenschaft und rational-kritisches Denken sind die einzigen verlässlichen Methoden, mit denen wir unsere Welt objektiv und nachprüfbar erforschen und verständlich erklären können. (…) Eine offene und demokratische Gesellschaft braucht sachliche und verlässliche Informationen. Oft treffen Menschen auf der Basis fragwürdiger Behauptungen und Heilsversprechen wichtige Entscheidungen und setzen Vermögen, Beruf oder sogar ihre Gesundheit aufs Spiel.“

Wissenschaft bedeutet, die Dinge um uns herum zu verstehen und nutzbar zu machen. Letztlich bedeutet sie Aufklärung und Weiterentwicklung. Nicht jeder Wissenschaftler mag das tatsächlich vorantreiben; auch Wissenschaftler bleiben Menschen. Dazu gehören demgemäß auch Irrtum, Zweifel und Fehler. Aber zur Wissenschaft gehört sozusagen auch ein eingebautes Fehlerbereinigungssystem und die Fähigkeit, aus den Fehlern zu lernen. Längst ist Wissenschaft international. Die Zeit der isolierten, nationalen „exklusiven“ Wissenschaften ist vorbei. Die wissenschaftliche Methode der „Falsifizierung“ (Falschbeweisung) von Hypothesen und Theorien, d. h. als methodische Grundlage der Versuch, bisherige Erkenntnisse zu widerlegen, wird von der weltweiten Forschergemeinde angewendet. Ganz gleich, von wem oder woher die zu prüfende Erkenntnis stammt. Man könnte sogar sagen, die ganze Wissenschaftsgemeinschaft warte nur darauf, sich auf neue Hypothesen und Theorien zu stürzen, um deren Schwächen aufzudecken. Das ist der langsam fortschreitende Weg zur Erkenntnis. Und dafür lohnt sich eine Demonstration, finden Sie nicht?

Termine und Orte des Science March finden Sie hier: https://sciencemarchger.wordpress.com/auch-in-deiner-stadt/

Weitere Infos: http://marchforscience.de

Wir sehen uns 🙂

 

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