Von Freiheit und Wahrheit – noch einmal zur Heilpraktikerdiskussion

Liebe Leserin, lieber Leser,

schon wieder, werden Sie vielleicht sagen. Ja, schon wieder ein Beitrag zum Heilpraktiker-Thema, das ist viel – und soll keinesfalls die Regel werden. Trotzdem bitte ich um Ihr geneigtes Interesse, denn das Thema ist hochaktuell und es scheint mir wenig sinnvoll, mit wichtigen Gedanken zuzuwarten und derweil das Terrain freizugeben. Man muss das Eisen nun mal schmieden, so lange es heiß ist.

Freiheit?

Bei der Diskussion über Alternativmedizin -sei es zu Mitteln und Methoden, sei es zu den Praktizierenden- kommt immer wieder eine Strategie der Kritisierten zum Vorschein, die sich gegenüber mit dem Hinweis auf die freie Entscheidung des Patienten, mit der Berufung auf Therapiefreiheit und mit einem scheinbaren Anspruch, vor staatlichen Eingriffen geschützt zu sein, verteidigen will. Mal erscheint dies eher subtil, indem den Kritikern unterstellt wird, sie wollten etwas „verbieten“, manchmal erscheint es ganz handfest, so wenn der „mündige Patient“ ins Feld geführt wird, auf den allein es ankäme. Letztlich eingefordert wird eine Art Anspruch darauf, dass der Staat den status quo schütze und Veränderungen den Hauch des Paternalistisch-Anmaßenden hätten.

All das verdient wegen der Bedeutung der Debatte eine differenzierte Betrachtung, denn es berührt das allgemeine Verständnis von persönlicher Freiheit und von dem, was staatliche Eingriffe rechtfertigt.

Um es gleich vorauszuschicken – ich stehe einem staatlichen Paternalismus ablehnend gegenüber, der entscheiden will, was „gut“ für die Menschen ist, wie mehr oder weniger offen oder subtil dies auch immer geschehe.

Aber: Sehr wohl ist der Staat berechtigt, ja verpflichtet, einzugreifen, wenn etwas „schlecht“ für seine Bürger ist. Sicher ein weites Feld, das viele Schattierungen aufweist, der hier interessierende Aspekt ist aber die Garantie körperlicher Unversehrtheit und der Schutz des Lebens, höchste, der Menschenwürde zugehörige Grundrechte. Die auf dem Gedanken des „Gesellschaftsvertrags“ beruhende Staatsrechtslehre sieht in der Schutzgarantie für Leib und Leben eine der Grundlagen staatlicher Legitimation überhaupt.

Zweifellos kann auch das nicht unbeschränkt gelten, will man das ebenfalls hohe Gut der individuellen Freiheit ebenso bewahren. Die Rechtsprechung hat für die Grenze, bis zu der staatliche Schutzregelungen legitim und erforderlich sind, den Begriff des „Gemeinwohlanliegens“ entwickelt. Will sagen: Je allgemeiner der Umfang des Problems ist, desto mehr rechtfertigt sich staatliches Eingreifen.

Gehen wir von dieser Grundprämisse aus und fragen uns, mit welchem Recht die Vertreter der Alternativmedizin, allen voran die Homöopathen und die Heilpraktiker, sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Patienten, auf ihre Therapiefreiheit und dergleichen berufen und damit Schutz für den status quo beanspruchen, indem sie einen vorgeblichen Paternalismus beschwören.

Es zeigt sich: Sie tun das von einer falschen Perspektive aus. Ein Handeln des Staates, um das Gesundheitswesen auf eine wissenschaftliche Basis (eine Selbstverständlichkeit!) zurückzuführen, wäre durchaus kein Paternalismus im Sinne einer „Hinführung zum Guten“. Es wäre richtig betrachtet nicht einmal ein Schutzeingriff. Denn es würde lediglich um die Korrektur der Schieflage gehen, die der Gesetzgeber in der Vergangenheit selbst verursacht hat. Die Politik ist hier nicht nur sachlich, sondern auch moralisch in der Pflicht. Denn sie hat mit dem Schein des gesetzgeberischen Segens dafür gesorgt, dass Methoden wie Homöopathie (durch den Binnenkonsens) ebenso soziale Reputation genießen wie der Stand der Heilpraktiker (durch die Duldung des Heilpraktikergesetzes aus dem Jahre 1939).

Das ist das Mindeste, was geboten ist. Ob darüber hinaus konkrete Schutzregelungen für den gesundheitlichen Bereich getroffen werden sollten, wäre Gegenstand weiterer Diskussion. Ich verhehle nicht, dass ich dies für dringend notwendig halte.

Wir leben im 21. Jahrhundert. Die Welt ist zu fragil und zu komplex für eine öffentliche Duldung von Irrationalität. Denn nichts anderes ist es, wenn einerseits Ärzten eine wissenschaftsbasierte Ausbildung mit vielen Befähigungsprüfungen abverlangt wird, die im Schnitt länger als zehn Jahre dauert, und andererseits Menschen per Gesetz das Prädikat eines „Ausübenden der Heilkunde“ zuerkannt und diesen damit Tür und Tor für praktisch beliebige „Behandlungen“ von Menschen öffnet. Von der Integration unwirksamer Methoden in das öffentliche Gesundheitswesen gar nicht zu reden. Dies sind aus staatlicher Sicht ebenso Fehlleistungen, die zu korrigieren sind.

Die Schutzschilde, die derzeit in der Heilpraktikerdebatte mit dem Argument der Entscheidungsfreiheit des Patienten, der Therapiefreiheit des Therapeuten und dergleichen mehr aufgebaut werden und mit denen im Grunde dem Staat ein Handlungsrecht verwehrt werden soll, sind deshalb eine Schimäre.

Wahrheit?

Es gibt noch eine weitere Perspektive, die untrennbar zu diesem Thema gehört, weil sie sich nicht mit dem formalen, sondern dem inhaltlichen Aspekt des Themas beschäftigt. Wir kommen von der richtig verstandenen Freiheit zur richtig verstandenen Wahrheit. Beides ist für rationale Entscheidungen, auch und gerade im gesetzgeberischen Bereich, grundlegend.

Greifen wir nochmals den eben erwähnten Gesichtspunkt auf, dass die Welt zu komplex ist, als dass wir uns ein Abgleiten in Irrationalität leisten könnten. Objektivität und Nachvollziehbarkeit sind die Grundlagen dessen, was mit dem Begriff „Wahrheitssuche“ redlicherweise assoziiert wird. Keine wilden Spekulationen, kein Wunschdenken, keine Vermutungen, keine Behauptungen, bis hin zur Behauptung, die Behauptung sei gar keine Behauptung, haben etwas mit dem Wahrheitsbegriff zu tun. Diese Linie menschlicher Grundeinsicht zieht sich von Platon und Aristoteles über Francis Bacon, Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel bis in die Neuzeit mit Persönlichkeiten wie Bertrand Russell, Karl Raimund Popper und Hans Albert. Wo ist der Beweis? Diese einfache Frage ist der Schlüssel.

Die pseudomedizinische Szene appelliert im Zweifel aber nicht an Beweise, die diskreditiert sie lieber, sondern an Gefühle und an erratisch in den Raum gestellte Behauptungen. Wollen wir aber in einer Gesellschaft leben, in der Gefühle und Behauptungen als Beweis für etwas ausreichen sollen? Was ist dann „Wahrheit“? Wohin gelangen wir damit?

Ein Beispiel, sinnigerweise gerade hier bei uns viel kritisiert, liefert uns der amerikanische Präsident. Sinngemäß hat er so etwas schon oft geäußert, das Time Magazine liefert uns ein wörtliches Zitat: „Ich bin eine sehr instinktive Person. Aber es stellt sich heraus: Meine Instinkte sind richtig.“ Nun ja. Beispielsweise sagt ihm sein Instinkt klar und unbezweifelbar, dass Mehrfachimpfungen Autismus auslösen. Sein Gefühl sagt ihm, was richtig und wahr ist, ohne eine Spur von Selbstzweifel. Keine Chance für wissenschaftliche Fakten. Die gelten einfach nicht. Dazu kommt, die Zeit arbeitet unter solchen Bedingungen gegen die Wahrheit. Es ist belegt: Je öfter man eine Behauptung hört oder liest, desto eher wird sie für wahr gehalten. Dieser Effekt ist sehr mächtig und wird meiner Ansicht nach weit unterschätzt. Weiter oben gibt es ein Beispiel: Die Verankerung sozialer Reputation durch den „Segen des Gesetzgebers“ für haltlose Mittel und Methoden.

Nun bin ich der Letzte, der einen Begriff wie den der vollständigen Wahrheit im Sinne von unumstößlicher Gewissheit vertritt. Wissenschaft ist systematische Annäherung an eine „Wahrheit“, nicht mehr. Aber: Der jeweilige Stand der Wissenschaft ist nun einmal der höchste Grad von Wahrheit, über den wir verfügen. Die wissenschaftliche Methode des Verwerfens von Irrtümern und das Integrieren neuer und besserer Erkenntnisse garantiert zudem im Grundsatz dafür, dass die Erkenntnis nicht wieder in frühere Stadien zurückfällt. Hier liegt der archimedische Punkt für das Streben nach „Wahrheit“. Nicht in Gefühlen, Instinkten, Beliebigkeit und Autoritätsgehabe. Wieso sollte denen ein Beweiswert zukommen?

Es scheint aber leider eine Entwicklung Platz zu greifen, die den Willen zur Wahrheitsfindung erodieren lässt. Hat die Beschwörung der Wahrheitssuche durch Nietzsche als „Überwindung des Nihilismus und Abschaffung von Irrtümern und Täuschungen“, also die Verbindung von Freiheit des Menschen und Wahrheitssuche (dem Thema dieses Beitrages), heute noch einen Wert im allgemeinen Bewusstsein?

Allein weil es notwendig ist, diese Frage überhaupt zu stellen, darf nicht jeder  Beliebigkeit, jeder beleglosen Behauptung Raum gegeben werden. Auch dann nicht, wenn man sich damit dem  Vorwurf der Ignoranz, der Engstirnigkeit und der Diskursverweigerung derer aussetzt, deren Wahrheit nur ihre eigene Behauptung ist. Man nennt solche Leute, die sich dem verweigern (und dafür oft genug angefeindet werden), Skeptiker. Ich würde mir wünschen, dass es solche Skeptiker gar nicht als abgrenzbare Gruppe geben müsste, vielmehr der „ganz normale Bürger“ auch die Anstrengung auf sich nehmen würde, mehr wissen zu wollen, mehr zu hinterfragen und sich wirklich instand zu setzen, sich ein Urteil zu bilden. Wo bleibt denn -so lange nach Kant- der Ausgang aus der „selbstverschuldeten Unmündigkeit“? In den Kommentarspalten zu unserem Thema, der Pseudomedizin, finde ich die jedenfalls nur höchst selten. Wobei ich gern zugestehe, dass es hier nicht ohne Mühe abgeht. Daraus leitet sich aber nicht das Recht ab, platte Parolen einfach nachzubeten, völlig unlogische Statements abzugeben, schlichte Behauptungen ohne Beleg in die Welt zu setzen oder gar ausfallend zu werden und das dann für die Verteidigung der „Wahrheit“ zu halten.

Zurück zum Ausgangsthema:

Gemessen an diesen Überlegungen sind durchweg die Repliken der Heilpraktikerszene zu den Feststellungen und Forderungen des Münsteraner Memorandums nichts weniger als ein Ärgernis (von den whataboutismen und den Ausfälligkeiten einmal ganz abgesehen). Wo ist der Beweis? Die „Antworten“ auf diese von den Skeptikern stets gestellte Frage ist ständige Faktenleugnung, Diffamierung der wissenschaftlichen Methode, Verschwörungstheorien gegen „die Ärzteschaft“ oder „BigPharma“ (die meines Wissens auch Homöopathen und Heilpraktikern ihre Mittel verfügbar macht), Unterstellung von Böswilligkeit und persönlichen Motiven und dergleichen mehr. Die Szene steht „argumentativ“ Trump deutlich näher als Kant. Bereits das -inzwischen stark überstrapazierte- Mittel der Online-Petition wird bemüht, wobei man natürlich wieder die Mischung aus Denunziation und einen unhaltbaren Wahrheitsbegriff im eben beschriebenen Sinne für angemessen hält: „Einige Schulmediziner, die in vielen Bereichen an ihre eigenen Grenzen stoßen, versuchen gerade den Beruf der Heilpraktiker einzuschränken oder gar abzuschaffen, um die ungeliebte Konkurrenz loszuwerden.“ So kann man es im Umfeld der Petition lesen. Wahrheit? Muss ich noch mehr sagen, angesichts des in diesem Beitrag Ausgeführten?

Wobei natürlich zu bedenken ist – wo sollten die Beweise, die Argumente der Heilpraktiker und sonstiger Vertreter der Alternativmedizin denn herkommen? Gibt es keine, dann würde intellektuelle Redlichkeit es erfordern, der kritischen Seite ihr Recht zuzugestehen. So etwas habe ich in all den Repliken der letzten knapp zwei Wochen allerdings an keiner einzigen Stelle gefunden.

Meine Empfehlung zum Schluss:

 

 

 

Bildnachweise:
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31 Responses
  1. osterhasebiene langnase Antworten

    Sehr verehrter Autor,
    ich weiß nicht welch (persönlichen?) Gründe Sie antreiben, dass sie sich so sehr auf die Alternativmedizin eingeschossen haben. Sind Sie Arzt, Heilpraktiker o.ä. oder haben Sie fundierte Kenntnisse in diesem Bereich? Niemand (wirklich keiner!) zwingt Sie dazu, einen Heilpraktiker oder das, was Sie Alternativ-Mediziner nennen, aufzusuchen. Es liegt in der Freiheit des Menschen zu entscheiden. Warum wollen Sie anderen vorschreiben, was gut für sie ist? Klären Sie die Menschen doch sachlich auf (wenn Sie die Kompetenz besitzen) so wie das etwa Natalie Grams mit ihrem erstklassigen Buch zur Homöopathie getan hat. Mich hat das überzeugt. Mehr braucht es nicht, nur gute und überzeugende Argumente. Und schwarze Schafe gibt es überall – das weiß doch jeder!

    • Liebe/r Kommentator/in,

      ich habe das Gefühl, dass Sie von dem, was ich in dem heutigen und dem letzten Artikel geschrieben habe, nichts wirklich aufgefasst haben. Zu jedem Ihrer Einwände finden sie in diesen Beiträgen die Antwort, wenn Sie sich die Mühe machen würden, aufmerksam zu lesen. Ich möchte fast so weit gehen, zu sagen, dass ich die Artikel genau wegen solcher Statements, wie sie sie hier abgeben, verfasst habe. Und wo vermissen Sie Argumente? Das kann ich nicht nachvollziehen. Gerade der heutige Beitrag hat ja zum Thema, dass es an „Argumenten“ auf der Seite der Heilpraktiker schmerzlich fehlt – und warum das so ist. Meine Beiträge sollen verdeutlichen, dass und warum man der Larmonyanz, mit der die Heilpraktiker derzeit versuchen, die Kritik an ihnen zu diskreditieren, nicht auf den Leim gehen soll. Argumente? Haben Sie übersehen, dass ich dazu vollumfänglich auf das Münsteraner Memorandum verwiesen habe, mit Links? Soll ich das noch einmal abschreiben?
      Die beiden Beiträge sind Stellungnahmen zu den unsäglichen Reaktionen der Heilpraktikerszene zu der endlich laut gewordenen Kritik. Was Sie dort offenbar hineinlesen, erstaunt mich sehr.
      Und ein Grundanliegen der Skeptiker haben Sie offenbar überhaupt nicht verstanden, obwohl meine Texte doch keinen Zweifel zulassen dürften: Die von uns hochgeschätze Entscheidungsfreiheit des Einzelnen nicht von Trägheit und Desinformation, auch nicht von der tief zu beklagenden Irreführung durch den „Segen des Gesetzgebers“ unterlaufen zu lassen. Die Skeptiker stehen auf der Seite der Entscheidungsfreiheit, die Pseudomediziner auf der Seite der Vernebelung. Das ist der Ansatz. Wie man aus den Artikeln zu dem Vorwurf kommen kann, ich würde irgendjemand etwas vorschreiben wollen, hinterlässt mich beinahe sprachlos.

      Über Ihre Anmerkungen ad hominem gehen wir mal freundlich hinweg. Aber los: Wenn Sie gegen die konkreten Aussagen meiner Artikel sachlich begründbare Einwände haben, her damit. Ich verweigere mich keinem Diskurs auf argumentativer Basis.

      Trotzdem vielen Dank für das Interesse und den Kommentar.

    • Liebe Osterhasebiene Langnase,
      schreibt Herr Endruscheit nicht gerade darüber, dass sich niemand etwas vorschreiben lassen soll, dass aber eben genau das das Problem an vielen HPs ist? Und dass manchmal aber Sicherheit vor Freiheit geht (weil es sonst keine wirkliche Freiheit ist)?

      Ich danke für Ihr Lob meiner Person, aber ich finde, jeder, der gute Argumente vorbringt, ist es wert, gehört (und gelesen) zu werden 😉

      • osterhasebiene langnase Antworten

        Liebe Frau Grams,
        Das ist genau der Punkt: Von der Medizin soll man sich vorschreiben lassen, weil „gut“, von anderen (HP, ect.) nicht, weil „schlecht“. Das ist für mich echte Unlogik und autoritäres Blabla. Es gibt auch unqualifizierte Mediziner, es gibt sehr erfahrene gute HP´s. Und für die „kleine“ Alltagsmedizin (Erkältung, Unwohlsein, …) braucht niemand ein 11jähriges Studium. Zum Glück sieht die Realität ganz anders aus : Ärzte sind froh, dass es auch HP´s gibt (eine andere Erfahrung habe ich noch nicht gemacht), denn es entlastet insgesamt das Gesundheitssystem. Und wenn hier ein Theoretiker meint das auf Biegen und Brechen ändern zu müssen, weil das in seinem Kopf nicht passt, dann muss ich fast lachen.

      • osterhasebiene langnase Antworten

        @Frau Grams, im Übrigen habe ich nicht Sie persönlich gelobt (ich kenne Sie ja nicht mal), sondern fand Ihr Buch wirklich gut, wahrscheinlich deshalb, weil in meinem „Vorbewusstsein“ bereits ähnliche Vermutungen geschlummert haben. Man sollte aber besser nie vom Buch direkt auf den Autor schließen, da tun sich oft wahre Abgründe auf! Aber ich finde Sie auch aufgrund Ihrer öffentlichen Auftritte sehr sympathisch und souverän, schon klasse!

  2. „Denn nichts anderes ist es, wenn einerseits Ärzten eine wissenschaftsbasierte Ausbildung mit vielen Befähigungsprüfungen abverlangt wird, die im Schnitt länger als zehn Jahre dauert“

    Sie dauert im Schnitt sogar deutlich länger. Allein das Studium dauert mindestens 6.3 Jahre, die kürzeste Facharztausbildung (Allgemeinmedizin) mindestens 5 Jahre. Das macht 11.3 Jahre MINIMALE Ausbildungsdauer.

    Im Schnitt dauert das Studium jedoch 15.2 Semester, also 7.6 Jahre, die meisten Facharztausbildungen dauern mindestens 6, im Schnitt nochmal 7.5 Jahre. Also dauert die ärztliche Ausbildung im Schnitt knapp über 15 Jahre.

    • Das möge man sich einfach mal vorstellen und dann noch behaupten, Heilpraktiker könnten eine „Alternative“ als Ausübende der Heilkunst sein. Soviel zum Thema „fehlende Argumente“. Ich war von einem Minimum von etwa 11 Jahren ausgegangen. Danke für die Ergänzung!

    • Eben – entweder ist diese lange Ausbildung für Ärzte überflüssig, dann könnte man sich das aufwändige Studium sparen und das ganze deregulieren und jeden dranlassen, der einen Rezepblock halten kann. Oder es gibt gute Gründe für diese ja doch sehr langwierige Ausbildung, und dann ist nicht begründbar, weshalb Hinz und Kunz ohne diese Ausbildung mit sauberem Führungszeugnis als Hauptqualifikation Heilpraktiker werden und als solche fast genausoviel und stellenweise mehr dürfen sollten als studierte Mediziner.

      Beides zusammen geht nicht – lange Ausbildung und strenge Auflagen für Mediziner hier, qualifikationsfreie Carte Blance für Heilpraktiker dort. Man kann nur eines davon begründen und schließt das andere damit automatisch aus.

  3. osterhasebiene langnase Antworten

    Und: niemand (ich spreche für die Heilpraktiker) hat je von einer Alternative zur Schulmedizin gesprochen. Es handelt sich beim seriösen HP immer um Ergänzung, Das ist so im HP-Gesetz festgelegt.

    • Zum einen kann ich derartiges nicht mal im Ansatz aus dem Heilpraktikergesetz herauslesen. Das Heilpraktikergesetz regelt überhaupt nichts Inhaltliches, es ist ein reines Ordnungsgesetz, das nur Regelungen über die Zulassung als „Ausübender der Heilkunde ohne Bestallung“ -also ohne ärztlich approbiert zu sein- regelt.
      Zum anderen können wirkungslose Therapien keine Ergänzung zu wissenschaftlicher Medizin sein. Dieses ganze Gerede von „komplementär“ und „integrativ“ ist nur ein Deckmantel dafür, dass eine „zweite Medizin“ praktiziert wird, die -selbstverständlich- den Anspruch erhebt, „alternativ“ zur „Schulmedizin“ zu sein. Was für ein Unsinn. Lesen Sie doch mal in den sozialen Medien die Kommentare der HP – von wegen, ergänzend. Da wird die wissenschaftliche Medizin runtergemacht und ständig der Anspruch der „besseren“, auch der „richtigeren“ Methoden und Mittel erhoben.
      Es ist doch ganz einfach: Alles, was nachgewiesen wirksam ist, ist Medizin. Und gehört in den Werkzeugkasten der Ärzte. Alles andere ist – nichts. Im günstigsten Fall. Und hat deshalb weder als komplementär noch als integrativ irgendeine Daseinsberechtigung. Das Heilpraktikerwesen ist, da es durchweg nicht auf der wissenschaftsbasierten Medizin beruht, eine untragbare Parallelwelt.
      Nochmal meine Empfehlung: Lesen Sie das Münsteraner Memorandum!

      • osterhasebiene langnase Antworten

        Wenn Sie das HP-Gesetz so lesen, dann ist das für Sie so…Für mich steht da (und auch für HP-Kollegen), das was der HP NICHT darf verschreibungspflichtige Medikamente…., und was er MUSS, Aufklärungspflicht, an den Arzt überweisen, aber keine Zusammenarbeit mit dem Arzt, klare Abgrenzung…
        Alleine Ihre Ausdrucksweise: das eine IST was, das andere ist NICHTS…erübrigt jegliche Debatte. Das ist
        totalitäres Gedankengut. Abwertung besteht doch beiderseits (aber im Einzelfall zum Glück sehr selten!)

          • osterhasebiene langnase

            Da gebe ich Ihnen völlig Recht, aber so einfach ist es nicht…-leider! Was ist z.B. mit Akupunktur? Seit ein paar Tausend Jahren weiß niemand, warum es genau wirkt. Und was ist mit Psychoanalyse – auch hier scheiden sich die Geister (ständig diskutieren Fachleute über die tatsächliche Wirksamkeit).

          • Akupunktur ist längst vollständig als genau so eine spezifisch unwirksame Scheintherapie widerlegt wie Homöopathie. Psychoanalyse nach Freud ist nach Meinung vieler Fachleute Hokuspokus. Ja. Und?

          • osterhasebiene langnase

            Die Erfahrungswerte sind anders, hier wird einer profitorientierten Medizin (durch Ärzte) das Wort geredet, weiter nichts! Ärzte (HP natürlich auch) haben oft kaum Kenntnis in Akupunktur (Schnell-Kurs), wenden diese „Kunst“ (das ist sie wirklich!) an und rechen eiskalt mit der Kasse ab. Mit Psychotherapie nicht anders (hier käme es v.a. auf die gemachte Selbsterfahrung an, nicht auf die wissenschaftliche Methode) Wo ist die Grenze zwischen „gut“ und „böse“? Es gibt sie nicht! Das ist Fantasia.

          • Es gibt in dieser Debatte keine Grenze zwischen „Gut und Böse“, so eine Klassifizierung lehne ich strikt ab. Es gibt eine Grenze zwischen nachgewiesen wirksam und nicht wirksm, diese Grenze ist mit der zwischen ethisch und unethisch gleichbedeutend. Im Übrigen ist Akupunktur keine Kunst, sondern eine ebenso als spezifisch unwirksam eingestufte „Methode“ wie beispielsweise die Homöopathie. Die Studienlage ist, nachdem GERAC noch zögerlich eine scheinbare Evidenz für Rücken- und Kopfschmerzen eingeräumt hatte, inzwischen durch weitere weltweite Forschungen eindeutig.

          • Heilpraktiker Psychotherapie

            Zu Ihrer Aussage: „Bitte, wer in einen sachlichen Diskurs einsteigen möchte, der beantworte mir die Frage zu den Mitteln und Methoden der Alternativmedizin: Wo ist der Beweis?“ gebe ich nochmals die Einschätzung der WHO wieder:
            „Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen“!!
            Diesem Anspruch genügt die von Ihnen gewünschte allein evidenzbasierte Medizin in keinster Weise, weil eine nur physikalische oder chemische Wirksamkeit nicht ausreichend ist, um Mittel und Methoden als heilend einstufen zu können. Es nutzt auf Dauer gar nichts, Menschen z.B. mit Chemie beeinflussen zu wollen, auch wenn dieses Präparat für sich eine Wirksamkeit nachweisen kann. Diese einseitige rein biologische Einflussnahme ist zum Scheitern verurteilt, weil sie den bio-psycho-sozialen Aspekten von Gesundheit der Menschen nicht entspricht.
            Das ist in Ihren Ohren sicher kein ausreichender Beweis für eine Alternativmedizin. Aber für mich gibt es nicht nur die Naturwissenschaften, sondern ich sehe die Geistes- und Sozialwissenschaften als gleichwertig wichtig an. Deshalb muss man unter diesen geisteswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Denkweisen den rationalen Schluss ziehen dürfen, dass die evidenzbasierte Medizin zu eindimensional ist und hierdurch selbst die Alternativmedizin fördert und notwendig macht. Für mich ist das ein sehr schlüssiger Beweis für die Notwendigkeit alternativer Heilberufe.

  4. „Wir leben im 21. Jahrhundert. Die Welt ist zu fragil und zu komplex für eine öffentliche Duldung von Irrationalität. “
    – dies scheint mir des Pudels Kern zu sein; wer sich im Irrationalen bewegt, kann seinen Gefühlen und Befindlichkeiten freien Lauf lassen, ohne sie oder gar sich selber in Frage stellen, sich Fragen stellen zu müssen.

  5. Heilpraktiker Psychotherapie Antworten

    Selten einen so einseitigen Blödsinn gelesen. Da wird das Kind gleich mit dem Bade ausgeschüttet. Es ist keinesfalls so, dass die gesetzlichen Krankenkassen alle geprüften Heilmethoden finanzieren und die Heilpraktiker esoterischen Blödsinn anwenden. So ist es zB in der Psychotherapie über gesetzlichen Krankenkassen nur möglich, Psychoanalyse, tiefenpsychologische Psychotherapie oder Verhaltenstherapie zu erhalten. Die ebenfalls als hochwirksam anerkannten Therapieformen der klientenzentrierten Gesprächstherapie, der Gestalttherapie sowie der systemischen Familientherapie werden nicht finanziert. Depressionen werden fast ausschließlich mit Chemie behandelt, ebenso Ängste und Folgen von Psychotraumata. Die Behandlung bei einem Psychiater dauert im Durchschnitt etwa 5 Minuten pro Quartal!

    Die beschriebenen und wissenschaftlich geprüften alternativen Psychotherapien werden bei Heilpraktikern angeboten, nachdem diese eine oft jahrelange Therapieausbildung genossen haben und die über einen psychologischen, pädagogischen oder sozialen Studienabschluss verfügen. Euer Vertrauen in den Staat, in die Krankenkassen und in die verordente Chemie ist sagenhaft!

    Wo ich schonmal dabei bin: Wer Opfer einer Gewaltat wurde oder ein anderes Psychotrauma erlitten hat, wird über die Krankenkassen mit Antidepressiva behandelt. Die wissenschaftlich als hochwirksam geprüften Psychotherapien wie die nach dem Psychologen Peter Levine (Somantic Experiencing) oder nach Dr. Berceli (TRE Tension & Trauma Releasing Exercises) werden fast nur über Fachheilpraktiker für Psychotherapie angeboten. Der Staat hinkt insbesondere bei wirksamen Behandlungen für psychische Störungen weit hinter den Wissenschaften hinterher. Noch lange nicht jede wirksame Heilmassnahme wird von den Krankenkassen finanziert… aus Kostengründen, obwohl seit Jahren massive Überschüsse erwirtschaftet werden.

    • Ich danke für Ihren durchaus sachkundigen Kommentar – der allerdings Kritik an Dingen übt, die überhaupt nicht Gegenstand und Inhalt meines Beitrages waren. Oft genug habe ich betont und erklärt, dass einerseits die Kassen Hokuspokus bezahlen (Homöopathie) und andererseits viele engagierte und sachkundige Heilpraktiker am Werk sind. Dass das Gesundheitssystem deutliche, zum Teil schwere Unzulänglichkeiten aufweist, ist mein Reden seit jeher. Ich betone genau so, wie es die Verfasser des Münsteraner Memorandums getan haben: Die momentane Debatte zu den Heilprakikern ist ein Teil zur Erreichung eines Gesamtzieles: Eines insgesamt besseren und leistungsfähigeren Gesundheitssystems.
      Und wo ich „Vertrauen“ in den Staat, in die Krankenkassen und (entschuldigung bitte, das bringt mich zum Lachen, ich sage gleich warum) die „verordnete Chemie“ gezeigt haben soll, ist mir völlig schleierhaft. Ich bin ein heftiger Kritiker staatlicher Gesundheitspolitik und liege mit vielen Krankenkassen und deren Aufsichtsbehörden über Kreuz. Da kann von „sagenhaftem Vertrauen“ nun wirklich nicht die Rede sein.
      Wegen des Lachens eben: Lesen Sie doch einfach meinen Beitrag „Für mich bitte keine Chemie“ ebenfalls auf diesem Blog und -bevor sie mir ein enges Verhältnis zu Politik oder Krankenkassen unterstellen- auch den vor dem aktuellen Beitrag erschienen Artikel.
      Es ist ein höchst erstaunliches Phänomen, dass Kritikern von „Alternativmedizin“ und Pseudomethoden oft reflexartig eine kritikfreie Symbiose mit dem existierenden Gesundheitssystem unterstellt wird. Im Gegenteil, in der Regel kommen die Kritiker der Pseudomethoden von der Kritik an diesem Gesundheitssystem.
      Gleichwohl vielen Dank für Ihren teilweise wirklich interessanten Beitrag!

    • Nur eine kurze Anmerkung: Es gibt sicherlich Schieflagen in der ärztlichen Versorgung, aber dass der Kontakt beim Psychiater im Durchschnitt fünf Minuten im Quartal beträgt, ist ebenso Unsinn wie die Annahme, Patienten mit Ängsten, Depressionen und posttraumatischen Störungen würden „über die Krankenkasse“ „nur mit Chemie“ und nicht mit Psychotherapie behandelt. Zum Thema Chemie hat Udo Endruscheit auf diesem Blog ja bereits einen entsprechenden Beitrag geschrieben. Richtig ist, dass einem die Bürokratie im Gesundheitswesen und die Krankenkassen die Behandlung oft sehr erschweren. Aber das ist ein anderes Thema, das hier nicht vertieft werden soll.

  6. Heilpraktiker Psychotherapie Antworten

    Herr Endruscheit, sollte ich Sie vorschnell falsch verstanden haben, dann tut mir das leid. Ihr recht dominanter Schreibstil fördert aber vielleicht manchmal eine solche Fehleinschätzung. Z.B. schreiben Sie von der sogenannten Alternativmedizin, die aus Ihrer Sichtweise von den Heilpraktikern in irrationaler Weise angeboten werden. Aus meiner Sichtweise stimmt dies einfach nicht (natürlich gibt es Spinner unter der HP, aber das gilt auch für Ärzte). Vielmehr schließen die Heilpraktiker sehr oft die Lücken, die die Schulmedizin ganz bewusst aus Kostengründen oder gar aus Bequemlichkeit offen lässt. So hat die WHO doch schon seit Jahrzehnten festgestellt, dass Gesundheit das Ergebnis aus bio-psycho-sozialen Wirkfaktoren ist. In Deutschland ist die biologische Sichtweise auf Krankheiten sichergestellt, daran gibt es keinen Zweifel. Aber die psychologischen und vor allem die sozialen Ursachen von Krankheiten werden doch völlig ausser acht gelassen. Allzu gerne wird die Maschinenmedizin genutzt, weil sie Umsätze macht. Ein Gespräch über die HIntergründe z.B. eines Herzinfarktes findet doch kaum noch statt, weil es nicht oder schlecht vergütet wird. Da ist eine radioaktive Szintigrafie doch für jedes Krankenhaus lohnenswerter, als nach Eheproblemen oder Mobbing zu fragen.

    Wir werden von einer materialistisch und kapitalistisch geprägten Maschinen- und Chemiemedizin behandelt, die die Gesamtheit des Menschen absichtlich übersieht. Die nicht sichergestellte Versorgung im psychischen und sozialen Bereich ist eine Lücke, die dann von anderen Berufsgruppen geschlossen wird. Und ob Sie es glauben oder nicht, manches Gespräch bei einem Heilpraktiker kann Menschen mehr Heilungsenergie geben als das Fünfminutengespräch bei den Psychiatern, die ihre Patienten mittlerweile so gut wie ausschließlich nur mit Chemie behandeln. Und deren Wirksamkeit ist selbst in Fachkreisen ebenso umstritten wie die esoterischen Methoden mancher Heilpraktiker. Aber die Menschen erhalten bei den Letztgenannten oft das, was sie bei den Fachärzten nicht mehr bekommen: Aufmerksamkeit, aktives Zuhören, Resonanz und Berücksichtigung.

    Die Entmenschlichung des Patienten ist der wahre Skandal und der wird von der Schulmedizin ausgeübt. Es werden nicht mehr die Menschen behandelt, sondern Symptome. Entsprechend wird die Auslastung der Maschinen als wichtiger eingeschätzt als ein verständnisvolles Gespräch. Woran liegt es z.B., dass privatversicherte Erkrankte etwa 2 bis 3 mal so oft operiert werden als gesetzlich Versicherte? Nein, sie werden nicht besser versorgt, sondern sie bringen höhere Umsätze. Warum sind Krankenhäuser privatisierte gewinnorientierte Unternehmen geworden, meist in der Rechtform der GmbH? Das sind die wahren Skandale der Gesundheitspolitik und sicher nicht die Heilpraktiker. Denn diese haben verstanden, dass patientenzentrierte Gespräche der Grund sind, warum die Menschen zu ihnen kommen.
    Ich werde aber sehr gerne die von Ihnen genannten Texte lesen, um ein gerechteres Bild über Ihre Person gewinnen zu können.

  7. Michael Schröder Antworten

    Sehr geehrter Herr Endruscheit,
    man merkt Ihren Artikeln und auch Ihren Antworten und Kommentaren an, das Sie sehr überzeugt von Ihrem Weltbild sind und nur das Beste wollen. Keine Frage.
    Dennoch sind Ihre Schlussfolgerungen sehr harsch und machen den Diskurs mit Ihren Gegnern von der Komplementär-Alternativen Seite unglaublich schwer, um nicht zu sagen unmöglich.
    Wie müsste denn ein Diskurs mit einem Heilpraktiker oder Homöopathen aussehen, damit Sie ihrem Gegenüber wenigstens zugestehen, das dessen Überzeugungen eine gleichermaßen achtenswerte Meinung ist, die aber natürlich nicht mit der Ihren übereinstimmt.
    Es hat nicht den Anschein, das sie einen ergebnisoffenen Diskurs suchen, sondern die gegnerische Meinung argumentativ besiegen wollen und als Vorraussetzung eines Diskurses – auf Augenhöhe – erst mal die bedingslose Kapitulation der Gegenseite einfordern. Wundert es sie, das die Gegenseite darauf nicht so eingeht? Menschen die Komplementär-oder Alternativmedizinisch arbeiten, haben ebenso feste Überzeugungen wie Sie, die in deren Weltbild auch logisch begründet sind.

    Aus Ihrer Sicht ist all das wirkungsloser Quatsch, natürlich. Aus der Sicht eines materialistischen Denkers völlig klar und nachvollziehbar! Dann ist Ihr Menschenbild vielleicht etwa so: „Ich bin ein Mensch, ein biologisches Wesen, das ein Bewusstsein entwickelt hat, ein Selbstbewusstsein sogar“ (Das kann ich natürlich nur vermuten, vielleicht beschreiben Sie ja einmal Ihr Selbstverständnis als Mensch in einem Satz in einer Antwort)
    Wenn man aber sein Selbstverständnis anders definiert, z.B. so „Ich bin ein menschlicher Geist, ich habe einen Körper.“, dann kommt man ebenso logisch denkend wie Sie es tun, zu anderen Schlussfolgerungen. Man kann all die hervorragenden Entdeckungen physiologischer Vorgänge im menschlichen Körper anerkennen und trotzdem dieser Meinung sein.

    Ein Diskurs zwischen Ihnen als Skeptiker und uns „komplementären Spinnern“ könnte durchaus fruchtbar und anregend sein, wenn Sie uns als Menschen mit einer respektablen Meinung ansehen würden…

    mit freundlichen Grüßen
    Michael Schröder

  8. Es scheint mir sinnvoll, auf die letzten kritischen Kommentare zu meinem Blogbeitrag summarisch zu antworten, um die Debatte nicht völlig zerfasern zu lassen. Die Antworten sollten durchweg abdecken, was vorgetragen wurde.

    • Zunächst verwundert mich ganz außerordentlich das augenscheinliche Interesse an meiner Person. Ich veröffentliche Artikel, die ad-hominem-Bezüge konsequent und bewusst weitgehend vermeiden, beklage gerade in den letzten Beiträgen die persönlichen Unterstellungen und Motivationsvermutungen, die aus der Heilpraktikerszene gegenüber den Kritikern des Münsteraner Kreises und ihres Umfeldes statt Gegenargumenten vorgetragen werden – und finde hier in den Kommentaren Spekulationen über meine Befähigung, meine Motivation als Skeptiker und meine Persönlichkeitsstruktur, die offenbar zwischen materialistisch bis empathielos eingeordnet wird. Soll ich mich jetzt dadurch in meiner Kritik bestätigt fühlen? Was soll das? Stellung nehmen dazu werde ich selbstverständlich nicht. Nur eines vielleicht: Ich bin ein ständiger Zweifler, was mich nicht daran hindert, zu Standpunkten zu gelangen.

    • Der Inhalt meiner Beiträge scheint vielfach auch überhaupt nicht verstanden worden zu sein. Gut – das mag die Schuld des Verfassers sein, obwohl mir verschiedentlich versichert wurde, das sei nicht so. Woran ich das festmache? Nun, ich habe in diesem und dem vorhergehenden Beitrag den Umstand behandelt, dass es an einem sachlichen, fundierten Eingehen der Heilprakikerszene auf die Argumente des Münsteraner Memorandums leider fehlt und statt dessen ad-Hominem-Unterstellungen, whataboutism und damit Diskursverweigerung stattfindet. Und was kommt nun ? Ad-Hominem-Unterstellungen, whataboutism und der Versuch, mir nun fehlende Diskursfähigkeit vorzuhalten. Das entzieht sich meinem Verständnis und lässt mich ernsthaft daran zweifeln, ob meine Beiträge wirklich aufgefasst worden sind.

    • Einseitigkeit und einen „harschen Stil“ zu bemängeln, stehe jedem frei. Nur bitte ich dabei zu bedenken, dass ich hier eine Position vertrete, eine Seite der Medaille, genau wie die Heilpraktiker- und Alternativmedizinszene die ihre vertritt. Das tut sie, wie ja gerade meine Beiträge belegen, sehr einseitig und in harschem Stil… Es scheint mir ein wenig einfach gedacht, mir unter diesen Umständen Einseitigkeit vorzuhalten. Und der „harsche Stil“ ist schlicht und einfach Deutlichkeit. Hier und da mit Ironie gewürzt, aber nirgendwo ausfallend. Darum bemühe ich mich stets.

    • Abschließend noch eine inhaltliche Anmerkung. Nein, die Heilpraktiker haben die Empathie und das verständnisvolle Eingehen auf die Patienten nicht gepachtet. Das wird jeder verantwortungsvolle Arzt auch als seine Aufgabe ansehen. Und ich bin -das kann man in manchen meiner Veröffentlichungen nachlesen- ein Verfechter der „sprechenden Medizin“, der dafür eintritt, dass den Ärzten auch die Rahmenbedingungen dafür eingeräumt werden, sie zu praktizieren. Wahrscheinlich ist es einfach noch zu unbekannt, welche Forschungsergebnisse es inzwischen auf dem Gebiet der psychosozialen Medizin und der Psychosomatik gibt. Es existieren sogar bereits ärztliche Leitlinien zu diesem Thema. Was noch nicht existiert, das ist die politische Gestaltung von Rahmenbedingungen, die der Ärzteschaft die Umsetzung dessen auch möglich machen.

    • Ich kenne die Heilpraktiker- und die Heilpraktikerschulenszene gut genug, um zu wissen, dass ganz überwiegend Methoden und Mittel ohne Evidenznachweis vermittelt und eingesetzt werden. Dies geschieht ohne jeden Zweifel vielfach durch wohlmeinende, empathische Heilpraktiker, die viel Mühe, Zeit und auch Geld auf ihre Ausbildung verwendet haben – aber auf eine Ausbildung, die den Maßstäben evidenzbasierter Medizin nicht standhält. Greife ich deshalb auch nur einen einzigen Heilpraktiker als Person an? Nein. Aber die andere Seite der Medaille ist das Grundsatzproblem: Dass so getan wird, als gebe es eine zweite Medizin neben der wissenschaftlich orientierten. Und dieses „so tun“ ist nicht tragbar.

    Um mein eigentliches Anliegen, die offenbare Diskursunfähigkeit der Szene, noch einmal zu unterstreichen, zum Schluss ein Zitat von Jutta Hübner, Stiftungsprofessorin für Integrative Onkologie der Deutschen Krebshilfe am Universitätsklinikum Jena:
    „Hier ist eine Aufgabe auch bei einem Verband, sich den eigenen Defiziten zu stellen. Wir haben im ärztlichen Bereich und in den anderen Gesundheitsberufen in den letzten Jahren extreme Anstrengungen unternommen, um das System zu verbessern. Das ist in diesem Bereich bisher nicht passiert.”
    Wie äußert sich der Fachverband statt dessen? Siehe meinen vorletzten Beitrag auf diesem Blog.

    Bitte, wer in einen sachlichen Diskurs einsteigen möchte, der beantworte mir die Frage zu den Mitteln und Methoden der Alternativmedizin: Wo ist der Beweis?

  9. Michael Schröder Antworten

    Schade Herr Endruscheit,

    drei Personen die hier ihre persönliche diffenzierte Meinung und einen sachlichen Diskurs auf der Basis ihrer Überzeugung angeboten haben: osterhasebiene langnase, Heilpraktiker Psychotherapie und ich.

    Ein Diskurs kommt nicht zustande, wenn Sie mit belehrenden, pauschalen Äußerungen antworten. Das klingt wie im Bundestag. Jeder spult seine Argumente ab und spielt mit dem Handy, wenn der politische Gegner redet.

    unglaublich traurig

    Ich hätte mich gefreut bei einem Diskurs mit dem philosophischen Urgrund anzufangen: Wie ist Ihr Bild von sich selbst als Mensch. Von der Beantwortung dieser Frage hängt alles folgende ab. Ich beantworte diese Frage heute so: „Ich bin ein menschlicher Geist, ich habe einen Körper.“ Das ist kein logischer Widerspruch zu den wunderbaren Forschungsergebnissen der Physiologie, viele Erkenntnisse der Forschung erscheinen mir viel schlüssiger auf diese Weise. Darüber hätte ich gerne einen Diskurs mit Ihnen geführt.

    „Bitte, wer in einen sachlichen Diskurs einsteigen möchte, der beantworte mir die Frage zu den Mitteln und Methoden der Alternativmedizin: Wo ist der Beweis?“
    Wie sollte das gehen. Möglichst kurz und knapp. Und gegenüber jemandem, der so von seiner Wahrheit überzeugt ist…
    Sorry, das wird nichts

    • Sieht so aus. Halten Sie einen Blog wie diesen für die geeignete Stelle, persönlich motivierte Diskurse über den philosophischen Urgrund und das Selbstbild des Autors zu führen? Ich nicht. Und ich verstehe das keineswegs als Diskursverweigerung. Ich versuche hier, Positionen zu vertreten, die nicht jedermann teilen muss und wird, das ist doch völlig klar. Wer mich kennt, weiß, dass ich niemals auf die Idee kommen würde, mich für allwissend zu halten. Aber der Diskurs, den Sie anbieten, der erinnert mich an die alten Märchen, bei denen die Geister des Moors versuchen, den Wanderer zum Abweichen vom Weg zu verführen. Es geht hier um Fakten, um das dringende Erfordernis, Fakten von Behauptungen und bloßen, unbegründeten Meinungen zu unterscheiden. Nicht um eine philosophische Moraldiskussion ad personam. Das ist nicht zielführend und dem verweigere ich mich ganz grundsätzlich. Sie täuschen hier die Bereitschaft zu einem Scheindiskurs nach Ihren Bedingungen vor. Verstehen Sie mich richtig – ich will Ihren Kommentar damit nicht abwerten, ich finde ihn interessant. Aber Sie versuchen, das Schiff auf einen völlig anderen Kurs zu steuern – in die Sandbank der Beliebigkeit.

    • @ M. Schröder:

      „Ich hätte mich gefreut bei einem Diskurs mit dem philosophischen Urgrund anzufangen: Wie ist Ihr Bild von sich selbst als Mensch.“

      Sorry, aber selten so einen Schwachsinn gelesen. Wie soll diese Frage in der aktuellen Debatte aucb nur ansatzweise zielführend sein?

      „Und gegenüber jemandem, der so von seiner Wahrheit überzeugt ist…“

      Hier geht es weder um Überzeugungen, noch um Wahrheiten, sondern um die nackte Realität. Aber mir ist klar, dass Schwurbler wie Du damit ein Problem haben.

    • Lieber Herr Schröder, ich habe mir Ihren „Diskurs“ angesehen und kann nicht verstehen, worauf Sie hinaus wollen. Sie benutzen fast abfällig das Wort „Argumente“ – mit was denn sonst soll man einen Diskurs beginnen bzw. fortführen? Die Frage nach dem „Wesen“ des Blogautors mutet dagegen etwas seltsam an – was ändert das denn an den Argumenten für oder gegen die fehlenden und einheitlichen Ausbildungsstandards von Heilpraktikern und dass wir verzweifelt darauf warten, dass Heilpraktiker diese Defizite – im Sinne und zum Schutz ihrer Patienten – selbst erkennen mögen?

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