Eigenverantwortung in Gesundheitsfragen – Freiheitsrecht oder Missbrauchspotenzial?

I.

Bei Verfechtern einer „eigenverantwortlichen Impfentscheidung“ wie auch bei solchen, die Homöopathie „unter die Leute bringen“ wollen, beobachte ich seit einiger Zeit gleichermaßen eine diskreditierende Strategie gegenüber den jeweiligen Kritikern, mit der diesen Absichten zu einer „Beschneidung von Freiheitsrechten“, einer „Einschränkung der Therapiefreiheit“ und gar eine Nichtachtung demokratischer Regeln vorgeworfen wird. Gleichzeitig werden – hierzu spiegelbildlich – gegenüber der eigenen Klientel „bürgerliche Freiheitsrechte“, „Therapiefreiheit“ und „Patientenautonomie“ als emotionale Ankerpunkte gesetzt. Im Grunde reicht darauf die Entgegnung: Wer sich auf Autonomie und Wahlrechte der Patientenschaft beruft und gleichzeitig die für deren Wahrnehmung wesentlichen Informationen unterdrückt und verfälscht, gleich ob aus Unkenntnis oder aus Ignoranz, hat sein eigenes Argument schon ad absurdum geführt. Und ja: Beide genannten Fraktionen betreiben Faktenleugnung und Desinformation, dass sich die Balken biegen.

II.

Hier geht es mir aber um etwas anderes. Warum „wirken“ diese auf persönliche Freiheitsrechte, auf demokratische Prinzipien und ihren Erhalt abzielenden Argumentationen so sehr, dass sich so viele Menschen sich in diesen Kontexten tatsächlich auf sie berufen? Woher dieser Mentalitätswandel, von der tiefen Dankbarkeit bei der Einführung der Impfungen gegen Masern und Polio, die damals die Gesellschaft durchdrang bis zur heutigen Einstellung, die häufig unter Missachtung der objektiven Fakten den Vorrang der Individualität gegen jede Vernunft und auch gegen jede Solidarität als absoluten Wert hochhält?

Natürlich liegt ein Teil der Faktenresistenz beim Impfthema darin begründet, dass schlicht und einfach die drastischen Folgen epidemisch auftretender Kinderkrankheiten nicht mehr augenfällig sind. Aus den Augen – aus dem Sinn, so ist es nun einmal. Im Falle der Homöopathie ist es nicht so viel anders. Die Fälle, in denen die Homöopathie eine notwendige Behandlung verzögert oder gar verhindert, werden statistisch nicht erfasst und gelangen auch aus anderen Gründen in aller Regel nicht zur Kenntnis einer breiten Öffentlichkeit. Nicht im Auge – nicht im Sinn, müsste man hier sagen. Und die heutige medizinische Versorgung in einem – trotz aller Verbesserungsbedarfe – besten Gesundheitssysteme der Welt bildet für so manchen Anhänger von „sanft, natürlich und unwirksam“ letztlich eine hochwillkommene Rückversicherung.

Das Suggerieren, eine „eigenverantwortliche Impfentscheidung“ sei das Nonplusultra der modernen, selbstbewussten und demokratisch-freiheitlichen Familie, ist der Hauptaspekt der Impfgegnerschaft zur Beeinflussung ihrer potenziellen Klientel. So versteht es beispielsweise der Verein „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“, die epidemiologischen Erkenntnisse der Wissenschaft auf der Grundlage von Millionen von Impfungen, die zu den öffentlichen Impfempfehlungen führen, auf eine individuelle Problematik des Einzelfalles herunterzubrechen und daraus die absolute Notwendigkeit einer Einzelfallentscheidung von medizinischen Laien – den Eltern – abzuleiten. Niemand leugnet, dass jede Impfung eine Einzelentscheidung ist – natürlich, aber eben auf der breiten Basis der vorliegenden epidemiologischen Daten und unter Beurteilung der Impffähigkeit des Kindes. Aber nicht in dem Sinne, Risiken und Nutzen von Impfungen in jedem Einzelfall abzuwägen – das ist blanker Unsinn und würde – ernstgenommen – mehr Unsicherheiten in sich bergen als die Verlässlichkeit der vorhandenen epidemiologischen Daten. Jede Wette: Kein Fachepidemiologe würde eine solche Form der „eigenverantwortlichen Impfentscheidung“ für seine Kinder andenken. Aber – der Appell im eingangs geschilderten Sinne scheint Wirkung zu zeigen.

Die Homöopathie, obwohl es ihr ja nicht um die Verhinderung einer Maßnahme, sondern um die Förderung ihrer Methode durch die Schaffung eines größtmöglichen Marktes geht, argumentiert im Grunde genauso. Wir erleben derzeit in der laufenden Werbekampagne der Deutschen Homöopathie Union (DHU), dem deutschen Marktführer für homöopathische Mittel, einen ebensolchen lautstarken Appell an persönliche Einstellungen und Erfahrungen der geneigten Kundschaft vor der Folie der Eigenverantwortlichkeit für Gesundheitsbelange [1] , ausdrücklich wird diese Kampagne als „Eintreten für die Therapiefreiheit“ deklariert. Ebenso agiert die organisierte Homöopathielobby im Vorfeld des in Kürze stattfindenen Deutschen Ärztetages, der – angeregt vom Münsteraner Memorandum Homöopathie – über die Abschaffung oder Beibehaltung der „ärztlichen Zuatzbezeichnung Homöopathie“ beraten wird. „Therapiefreiheit“ wird beschworen (wer wollte die abschaffen?), auch in der simplifizierten Variante von „Die Leute wollen es aber“! Genauso wie bei den Impfgegnern wird dabei die wissenschaftliche Faktenlage ausgeblendet – in diesem Falle, dass Homöopathie niemals einen Wirkungsnachweis erbringen konnte und naturwissenschaftlich unplausibel ist, Dies geschieht zugunsten eines Appells an eine scheinbare Patientenautonomie (scheinbar, weil es sie nur unter einer faktenbasierten Information der Patientenschaft geben kann). Die DHU geht so weit, den Kritikern ihrer Kampagne, die auf den Unwert der Homöopathie als medizinische Methode hinweisen, direkte Angriffe auf die Therapiefreiheit zu unterstellen und in deren Kritik eine Verletzung demokratischer Freiheitsrechte zu sehen. [2]

III.

Die Absurdität all dieser Positionen spricht für sich und soll hier auch gar nicht – wiederholter – Gegenstand der Betrachtung sein. Vielmehr wollen wir nach diesen Beispielen auf die grundsätzliche Frage zurückkommen: Woher kommt diese Gewichtung des Freiheitlich-Individuellen, das selbstverständlich ein sehr hoher Wert an sich ist – aber angesichts wissenschaftlicher Fakten, wie in den Fällen der Impfgegnerschaft und der Homöopathie-Propaganda, sehr schnell in einen Aufruf zur Irrationalität umschlägt? Warum verfängt dieser Aspekt und bekommt bei vielen Menschen einen spontan höheren – vielfach emotionalen – Stellenwert als die zum Thema gehörenden wissenschaftlichen Fakten? Warum ist offenbar der Freiraum vorhanden, mit solchen Appellen die Faktenlage völlig in den Hintergrund geraten zu lassen?

In den letzten zwei Jahrzehnten ist auch das öffentliche Gesundheitswesen einem neoliberalen Gedanken zugeneigten Wandel ausgesetzt gewesen. Einerseits fand ein Abbau öffentlicher Gesundheitsdienstleistungen im Sinne eines „schlanken Staates“ statt, andererseits – als „Gegenstück“ – wurde erhöhte „Eigenverantwortung“ der Menschen auch in Gesundheitsfragen propagiert. Auch in dieses Bild gehört die heutige Ausprägung der oft beschworenen „Pluralität“ des Gesundheitswesens, der Selbstverwaltung und Eigenverantwortung der „Player“ im Konzert des öffentlichen Gesundheitswesens und die damit verbundene Scheu, notfalls klar Position für evidenzbasierte, wissenschaftliche Medizin zu beziehen. Gesundheitliche Aufklärung in Sachen Impfen, auch zu pseudomedizinischen Methoden, ist mit dem Austrocknen der Gesundheitsdienste „vor Ort“ ein Mangel geworden. Das gibt Raum einerseits für Verunsicherung der Menschen und andererseits für die Einflüsterungen von der hier in Rede stehenden „Eigenverantwortung“, ohne dass ein Gleichgewicht dazu durch eine wirkliche gesundheitliche Aufklärung vor Ort noch vorhanden ist.

Der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist in einem beklagenswerten Zustand. Gerade berichtet das Ärzteblatt darüber, dass selbst die übriggebliebenen Strukturen des ÖGD bei der Nachwuchsgewinnung „chancenlos“ seien. [3] Ein typisch neoliberaler „Erfolg“ der Ideologie vom Ausdünnen öffentlicher Dienstleistungen und der Zuweisung von „Eigenverantwortung“ an den Einzelnen, ob er nun fähig ist, eine solche überhaupt wahrzunehmen oder nicht. Und ja, die Zuweisung von „Eigenverantwortung“ wirkt, hat ihren Effekt auf den modernen Bürger – lockend verpackt in die glänzende Folie der autonomen Wahrnehmung demokratisch-freiheitlicher Bürgerrechte, aber ohne die solide Basis ordentlicher Sachinformation, wie sie beispielsweise ein gut funktionierender Öffentlicher Gesundheitsdienst leisten könnte.

So bleibt es letztlich mehr oder weniger privaten Initiativen überlassen, die notwendige Basisaufklärung wenigstens in Ansätzen zu leisten und den Desinformationskampagnen von interessierter Seite wenigstens hier und da entgegenzutreten. Dafür trifft sie dann, wie aktuell im Falle der DHU-Werbekampagne, der „Bannstrahl“, sie wollten allerlei undemokratisches Teufelszeug durchsetzen, von der Einschränkung der Therapiefreiheit bis zur Missachtung individueller Freiheitsrechte. Vielen Dank dafür.

IV.

Dieser Beitrag bezieht keine politische Position, sondern analysiert die Fakten. Gleichwohl könnten die Überlegungen dieses Beitrags – so rudimentär sie sind – zu einem grundsätzlichen Nachdenken darüber anregen, ob und wo sich Gewichte in der Gesundheitspolitik und in der Positionierung der Bevölkerung zu Gesundheitsfragen so verschoben haben, dass Kurskorrekturen notwendig sind.

Es könnte dabei sehr hilfreich sein, für eine Ausrichtung von Gesundheitspolitik die Ottawa-Charta [4] der Weltgesundheitsorganisation zur Hand zu nehmen. Diese fordert für alle Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung für ihre Gesundheit und die Möglichkeit, selbst Entscheidungen in Bezug auf ihre persönliche Gesundheit treffen zu können. Liest man dies richtig, ist dies eben keine Gebrauchsanweisung für eine neoliberale Gesundheitspolitik, die dem Einzelnen kurzerhand die Verantwortung überbürdet, die die öffentliche Hand durch den Rückzug aus elementaren öffentlichen Gesundheitsdiensten freisetzt. Man muss die Ottawa-Charta als Langzeitziel verstehen, dessen Erreichung voraussetzt, dass die Menschen überhaupt erst in die Lage versetzt werden, die angestrebte Eigenverantwortung wahrzunehmen: Durch solide öffentliche Aufklärungskampagnen, durch staatlichen Verbraucherschutz im Gesundheitswesen und die Verbreitung der Evidenzbasierten Medizin, die die wissenschaftlichen Grundlagen einer Therapie, die ärztliche Kunst des Behandlers und die wohlverstandenen Belange des Patienten gleichgewichtig berücksichtigt sehen will. Desinformation und emotionale Appelle von interessierter Seite statt faktenbasierter Aufklärung an die Adresse einer längst nicht verwirklichten, deshalb manipulationsfähigen Autonomie des Bürgers in Gesundheitsfragen sind ein Missbrauch des Eigenverantwortungsgedankens.


[1] https://homöopathie-natürlich.de/

[2] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/10/11/homoeopathie-boom-flaut-ab

[3] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/94844/Oeffentlicher-Gesundheitsdienst-sieht-sich-bei-Nachwuchsgewinnung-chancenlos

[4] http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0006/129534/Ottawa_Charter_G.pdf


Bildnachweis: Pixabay

6 Responses
  1. osterhasebiene Antworten

    Ihr Diskurs -alle Ehre dem Faktenwissen und Wissenschaftsdenken- geht an der Realität dieser Gesellschaft leider komplett vorbei. Hier herrschen schon seit einiger Zeit andere Regeln und lange ist die Zeit vorüber als man die Medizin angebetet und den „guten“ Herrn Doktor verehrt hat. Nochmal: Medizin ist wichtig und kann viel – das wird nicht in Zweifel gezogen! Ärzte sind keine schlechteren Menschen! Es geht um ganz anderes.
    Es ist einfach nicht das Thema, weil in dieser Gesellschaft ein anderer Überlebenskampf stattfindet. Sie entwickelt sich immer mehr zu einer Räuberhöhle, zu einem Selbstbedienungsladen: das Gesundheitssystem wird „ausgeblutet“. Jeder -ob Arzt oder Kasse- holt für sich, was zu holen ist. Wichtige Leistungen werden gar nicht mehr erbracht. Folgeschäden sind „egal“, Kollateralschaden. Niemand übernimmt Verantwortung („Beweisen Sie mir den Schaden doch erst mal“ – heißt es) und zur Selbstverantwortung werden wir weder in der Schule noch im Elternhaus erzogen. Sie wäre ein Hemmschuh für die Wirtschaft. Wir wollen doch alle „gute Bürger“ sein, oder? Und ich glaube, Sie wollen ein ganz besonders guter Bürger sein.
    Wenn Sie wirklich etwas für die Gesundheit der Menschen tun wollen, dann sorgen Sie dafür, dass jeder Mensch sich wertvolle, gute Nahrung leisten kann und sauberes Wasser zu trinken hat, die Arbeitsverhältnisse menschlich sind (Wissen Sie überhaupt wie z.B. Altenpfleger/Krankenpfleger „ausgebeutet“ werden für Mindestlohn? Haben Sie mit solchen Menschen schon einmal gesprochen?), dass Kinder kindgerecht aufwachsen dürfen ohne Leistungsdruck schon im Kindergarten… Davon werden die Menschen krank!
    Das Grundeinkommen und die Bürgerversicherung (Gleichheit) wären schon ein großer Schritt in Richtung „Gesundheit“, die Ihnen ja so am Herzen liegt.
    Dann brauchen Sie die medizinischen „Superwaffen“ eventuell gar nicht in diesem Ausmaße auszupacken und anzupreisen.
    Es liegen die Probleme doch ganz anders! Aber das wollen Sie nicht erkennen. Niemand missachtet Wissenschaft und Medizin an sich, es sind die Umstände und die Bedingungen, die zur allgemeinen Auflehnung führen. Es ist eine Revolution im Gange und ich hoffe nur, dass sie einigermassen friedlich zu einem Ende kommt.
    Mich beschleicht zunehmend der Verdacht: Dieser Diskurs wird überwiegend genährt von narzisstischer Kränkung!

    • Danke für den Kommentar! Sie sagen manches Richtige, aber viel Unverständliches. Der Kommentar bedarf daher einiger Klarstellungen.
      Wenn ich ein Thema für einen Blogbeitrag wähle, dann wähle ich ein Thema. Zu einem Diskurs über dieses Thema bin ich gern bereit. Ein Diskurs kann aber nicht darauf aufbauen, dass Sie das Thema ignorieren und hier ein breitgefächertes Spektrum anderer Themen eröffnen, auf die einzugehen in einer Kommentarantwort kaum möglich ist. Halten Sie sich doch besser ans Thema und das lautet hier: Wie ist das Thema Patientenautonomie und Therapiefreiheit zu bewerten, wenn es als unlauterer emotionaler Appell von Anbietern bzw. Proponenten genutzt wird, die gleichzeitig die Informationen vorenthalten, die für Patientenautonomie und Wahlfreiheit bei der Therapie unabdingbar nötig sind? Was ist aus gesundheitspolitischer Sicht davon zu halten, dass die öffentlichen Gesundheitsdienste auf dem Rückzug sind und die „Eigenverantwortung“ des Patienten sozusagen als „Ersatz“ dafür – neoliberal konnotiert – beschworen und dem Patienten mehr oder weniger aufgebürdet wird? Das sind die hier in Rede stehenden Themen. Schon im zweiten Satz wechseln Sie das Thema nach Ihrem Gusto, in Richtung auf die Verehrung des „guten alten Doktors“. Was bitte soll ich in Bezug auf meinen Blogartikel damit anfangen? Wollen Sie hier eine von Ihnen unterstellte Haltung meinerseits zum Arzt-Patienten-Verhältnis kritisieren (woher kennen sie die)?
      Wenn ich mir ihre Forderungen so durchlese, die Sie unverblümt an mich richten, stellen Sie an mich den Anspruch, eine Art Retter der Menschheit zu sein. Das könnte amüsieren, wenn nicht letztlich alles, was sie schreiben, in einer Art vorwurfsvollem, allzu persönlich übergriffigen Ton gehalten wäre.
      Sie verbinden eine Art Kapitalismuskritik (die in meinem Beitrag sogar durchscheint) mit der Forderung an mich (!), für ordentliche Lebensverhältnisse zu sorgen (und zwar gleich für „die Leute“). Sie unterstellen mir Unkenntnis, gar Ignoranz gegenüber den Problemen des Pflegeberufes, offenbar auch eine ablehnende Haltung zum Thema Grundeinkommen und Bürgerversicherung. Und weichen Sie nicht aus: Sie adressieren ganz offen das alles an meine Person. Wie kommen Sie dazu?
      Das Ganze gipfelt dann darin, dass sie mich als „Auspacker und Anpreiser“ „medizinischer Superwaffen“ bezeichnen. Wenn das nicht so absurd wäre, würde ich Sie fragen, woraus sie diese meine angebliche Haltung entnehmen. Ja, ich weiß – sie sehen mich gern in der „Ecke“ der „bösen Schulmedizin“, im Rahmen der üblichen Schwarz-Weiß-Malerei, wie sie schon bei meinen Beiträgen zur Heilpraktikerproblematik auf diesem Blog deutlich geworden ist. Blanker Unsinn.
      Wie dem auch sei, Sie verorten in meinen Beiträgen eine ominöse Gegnerschaft zu irgendwas, was Sie gar nicht näher definieren, sie operieren mit grotesken Unterstellungen zu Dingen, die aus meinen Beiträgen niemals abgeleitet werden könnten und formulieren, als ob Sie mich selbst und meine persönlichen Einstellungen haargenau kennen würden. Das verstehe ich nicht, mit Verlaub. Womit habe ich ein derart spekulatives Interesse an meiner völlig unwesentlichen Person auf mich gezogen?
      Wollen Sie eine Botschaft vermitteln, dann würde ich Ihnen empfehlen, selbst einen Blog zu eröffnen und sich der Mühe zu unterziehen, diese Ihre Botschaft konsistent auszuformulieren und ihrerseits zur Diskussion zu stellen. Wie wäre das? Eine vertretbare These dort wäre z.B., dass die Entwicklung hin zu Misstrauen und Wissenschaftsfeindlichkeit in der Bevölkerung nur ein Symptom einer größeren Entwicklung ist. Ich nehme an, das wollen Sie vermitteln. Das wäre sicher ein Ansatz, über den man diskutieren kann. Aber in Form eines ad-hominem-Rants gegen meine Person, am Thema des Blogbeitrages vorbei, ist es das sicher nicht.
      Zu Ihrem Schlusssatz: „Dieser Diskurs wird überwiegend genährt von narzisstischer Kränkung!“ Wenn Sie – was nicht ganz klar ist – den Diskurs meinen, zu dem ich mit meinen Blogartikeln beitragen will, so verrate ich Ihnen: Ich habe nur ein Anliegen, und das ist eine bessere Medizin. Das schließt die Gegnerschaft zu Pseudomethoden und Desinformation der Patienten ebenso ein wie das Wissen um die Vielzahl veränderungsbedürftiger Faktoren im Gesundheitswesen, im medizinischen Alltag und in der medizinischen Forschung. Dessen bin ich mir sehr wohl bewusst. Und persönliche Interessen habe ich dabei – überhaupt keine, ebensowenig wie an meinem Ego nagende narzisstische Kränkungen, die mich unwiderstehlich zum Schreiben von Blogartikeln drängen.

  2. osterhasebiene Antworten

    Die Rolle des „Retters“ kann niemandem untergeschoben werden. Das war übergriffig, aber nicht so gemeint. Es kommt in Ihren Blog-Artikeln stets so rüber, als wäre alles gut, wenn der „Patient“ nur endlich der „Medizin“ vertrauen würde, denn „die“ wissen schon, was richtig. Es schwingt stets mit, dass der Patient nicht selbstbestimmt sein kann und darf (aufgrund von Wissensdefiziten, Manipulation…). Es kommt so rüber als wäre der Patient selbst schuld, wenn er sich verweigert.

    • Das ist absurd, was Sie in meine Beiträge hineinlesen. Die Veränderung im Arzt-Patienten-Verhältnis ist eine der größten Errungenschaften in der Medizin seit den 1990er Jahren. Ich verteidige dabei die Belange der Patienten gegenüber unredlichen Versuchen, ohne wirkliche Information dem Patienten zu suggerieren, wie autonom er doch sei. Der Patient hat – nach seinem Vermögen – zwar auch eine Holschuld, aber in allererster Linie hat der Therapeut eine Bringschuld. Das habe ich auch schon mehrfach in aller Deutlichkeit geschrieben. Und mich in die Ecke zu schieben, dem Patienten irgendwelche „Schuld“ oder „Mitschuld“ zuzuweisen, das ist mehr als ärgerlich. Auch zu den Methoden, die solches wirklich tun, habe ich mich auf diesem Blog schon mehr als kritisch geäußert. Also bitte, lesen Sie richtig.

    • Das ist sicher nicht falsch. Wobei sich mein Beitrag ja mit einigen der Gründe befasst, warum diese Angst existiert. Weil keine ausreichende Aufklärung stattfindet. Und das ist sicher nicht nur in Gesundheitsfragen so.

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